Das ist die dritte Lektion des Grundkurses charliedesk Classroom. Die vorherigen Lektionen haben erklärt, was eine Wallet ist und was es bedeutet, eine Kryptowährung zu "besitzen". Jetzt schauen wir uns die drei häufigsten Orte an, an denen Menschen Krypto beschaffen, und nehmen sie anhand von drei einfachen Fragen auseinander: Wer hält die Coins? Wie entsteht der Preis? Was kostet das?
Alles zeigen wir an einem konkreten Beispiel. Sagen wir, Petra will ETH (Ethereum) für 1.000 Euro kaufen. Wir gehen durch, was an jedem der drei Orte passiert.
Was sind Börse, Broker und DEX eigentlich?
Definieren wir die drei Begriffe gleich zu Beginn, denn sie werden oft verwechselt.
- Börse (Exchange, konkret CEX, also Centralized Exchange): eine Firma, die einen Markt betreibt. Sie handelt selbst nicht gegen dich, sie bringt nur Leute, die kaufen wollen, mit Leuten zusammen, die verkaufen wollen. Beispiele wie Coinbase, Kraken oder Binance funktionieren so.
- Broker: eine Firma, die dir Krypto direkt verkauft oder von dir kauft. Du handelst nicht mit einem anderen Nutzer, du handelst mit dem Broker. So funktionieren viele "einfache" Kauf-Buttons in Apps und eine Reihe von Fintech-Apps.
- DEX (Decentralized Exchange, dezentrale Börse): eine Reihe von Smart Contracts (Programmen), die auf einer Blockchain laufen. Dahinter steht keine Firma, die deine Coins verwahren würde. Du handelst direkt aus deiner Wallet. Beispiele sind Uniswap oder Curve.
Einen ausführlicheren Vergleich der Begriffe CEX und DEX haben wir im Glossar unter dem Stichwort "cex-dex".
Wer hält deine Coins?
Das ist die wichtigste Frage der ganzen Lektion, denn sie entscheidet darüber, was passiert, wenn etwas schiefgeht.
Bei der Börse (CEX) gilt eine einfache Regel: Solange die Coins auf der Börse liegen, hält sie die Börse, nicht du. Du hast bei ihr ein Guthaben, das ist ein Eintrag in ihrer Datenbank. Die privaten Schlüssel (das geheime Passwort, das die Coins auf der Blockchain tatsächlich kontrolliert) hält die Börse. Daher kommt der bekannte Spruch "not your keys, not your coins" (nicht deine Schlüssel, nicht deine Coins). Wenn du die Coins vollständig unter Kontrolle haben willst, musst du sie von der Börse auf deine eigene Wallet abheben.
Beim Broker ist es ähnlich, aus Sicht der Kontrolle manchmal sogar schlechter. Viele Broker erlauben dir nur zu kaufen und zu verkaufen, aber den Coin nicht auf die eigene Wallet abzuheben. In dem Fall hältst du niemals echte Kryptowährung, nur einen Anspruch gegenüber dem Broker. Ob ein konkreter Broker das Abheben erlaubt, unterscheidet sich von Fall zu Fall, und das ist etwas, das man beim jeweiligen Anbieter prüfen muss.
Beim DEX hältst du die Coins die ganze Zeit selbst. Der Handel läuft direkt zwischen deiner Wallet und dem Smart Contract ab. In keinem Moment übergibst du die Schlüssel an eine dritte Partei. Das ist der Hauptunterschied des DEX: Die Kontrolle über die Coins verlässt deine Wallet nicht. Der Preis dafür ist, dass du für die Sicherheit deiner Schlüssel selbst haftest, und wenn du einen Fehler machst, gibt es niemanden anzurufen.
Wie entsteht der Preis?
Hier unterscheiden sich die drei Modelle am stärksten.
Bei der Börse entsteht der Preis durch das Orderbuch (Order Book), also die Liste aller Kauf- und Verkaufsaufträge. Petra sieht, dass das beste Verkaufsangebot für ETH etwa 3.000 Euro beträgt. Wenn sie eine Market Order aufgibt, matcht das System sie mit den Verkäufern. Der Preis ist das Ergebnis dessen, worauf sich Angebot und Nachfrage in dem Moment einigen. Der Unterschied zwischen dem höchsten Kaufangebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot heißt Spread.
Beim Broker legt der Broker den Preis fest. Er nimmt einen Referenz-Marktpreis und schlägt seine Marge (Aufschlag) drauf. Petra sieht oft kein Orderbuch, sie sieht nur eine Zahl: "ETH kaufen für X". Diese Zahl ist meist ein Stück schlechter als der Preis an der Börse, und in diesem Unterschied versteckt sich ein Teil des Broker-Gewinns.
Beim DEX vom Typ Uniswap berechnet den Preis oft kein Orderbuch, sondern eine Formel. Das verbreitetste Modell ist der AMM (Automated Market Maker, automatisierter Market Maker). Vereinfacht: In einem "Becken" (Liquidity Pool) liegen zwei Assets, etwa ETH und ein Stablecoin, und der Preis ergibt sich aus ihrem Verhältnis. Wenn Petra ETH aus dem Pool kauft, entnimmt sie ETH und fügt Stablecoin hinzu, wodurch sich der ETH-Preis in diesem Pool leicht nach oben verschiebt. Je größer der Handel im Verhältnis zur Größe des Pools, desto größer diese Verschiebung, die man Slippage (Preisrutsch) nennt.
Was kostet das? Ein Beispiel mit 1.000 Euro
Jetzt zum Konkretesten. Die Kosten setzen sich aus mehreren Schichten zusammen und selten siehst du sie als eine einzige Angabe. Die folgenden Zahlen sind ein illustratives Beispiel, keine aktuellen Marktdaten, sie sollen nur zeigen, wo die Kosten entstehen.
| Wo | Sichtbare Gebühr | Versteckte Kosten | Netzwerkgebühr |
|---|---|---|---|
| Börse (CEX) | Handelsgebühr, z. B. 0,1 bis 0,5 % | Spread im Orderbuch | erst beim Abheben auf die eigene Wallet |
| Broker | oft "0 %" oder kleine Gebühr | in den Preis eingepackte Marge (Spread) | manchmal gar kein Abheben möglich |
| DEX | Pool-Gebühr, z. B. 0,3 % | Slippage bei größeren Trades | du zahlst immer Gas (Netzwerkgebühr) |
Gehen wir Petras 1.000 Euro durch:
- Bei der Börse mit einer Gebühr von 0,2 % zahlt sie ungefähr 2 Euro Gebühr plus einen kleinen Spread. Wenn sie die Coins auf der Börse lässt, muss sie sich um die Netzwerkgebühr vorerst nicht kümmern. Sobald sie sie auf die eigene Wallet abhebt, kommt die Netzwerkgebühr dazu.
- Beim Broker, der "null Gebühren" bewirbt, können die tatsächlichen Kosten ruhig höher sein als an der Börse, weil sie im Preis versteckt sind. Ob es 0,5 % oder 2 % sind, erkennst du nur, indem du den angebotenen Preis mit dem Preis an der Börse im selben Moment vergleichst.
- Beim DEX zahlt sie die Pool-Gebühr (bei einem üblichen Pool 0,3 %, also etwa 3 Euro), dazu Gas (Netzwerkgebühr), das nicht von der Größe des Trades abhängt, sondern von der Auslastung des Netzwerks, und bei größeren Orders noch Slippage. Das Gas kann ein paar Cent bis mehrere Euro betragen, je nach Netzwerk und Moment.
Wesentlich ist Folgendes: "Null Prozent" bedeutet fast nie kostenlos. Die Kosten verschieben sich nur von der offensichtlichen Gebühr in den Spread, die Marge oder die Slippage.
Welches Modell ist das "beste"?
Keines. Jedes löst einen anderen Kompromiss, und deshalb existieren alle drei nebeneinander.
- Die Börse liefert Liquidität und einen fairen Marktpreis aus dem Orderbuch, hält aber deine Schlüssel.
- Der Broker ist am einfachsten zu bedienen, aber für den Komfort zahlst du mit einem schlechteren Preis und manchmal damit, die Coins gar nicht abheben zu können.
- Der DEX lässt dir die Schlüssel und den Zugang zu Tokens, die es woanders nicht gibt, aber du zahlst Gas, riskierst Slippage und haftest für die Sicherheit selbst.
charliedesk sagt grundsätzlich nicht, was du wählen sollst. Wir sagen, wie es funktioniert, damit du die Entscheidung selbst treffen kannst und weißt, wonach du fragen musst.
Was du jetzt können solltest
Nach dieser Lektion solltest du bei jedem beliebigen Ort, an dem man Krypto beschaffen kann, drei Fragen beantworten können:
- Wer hält die Coins? (Ich in meiner Wallet oder die Firma für mich?)
- Wie entsteht dort der Preis? (Orderbuch, Broker-Marge oder AMM-Formel?)
- Wo sind die Kosten versteckt? (Gebühr, Spread, Marge, Gas, Slippage?)
Wenn du diese drei Fragen beantworten kannst, verstehst du 90 % des Unterschieds zwischen Börse, Broker und DEX.
Was unsicher bleibt
- Die konkreten Gebühren unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter und ändern sich mit der Zeit. Die Zahlen in der Tabelle sind eine Illustration, keine aktuelle Preisliste. Den tatsächlichen Preis prüfe immer beim jeweiligen Ort im Moment des Handels.
- Ob ein konkreter Broker das Abheben auf die eigene Wallet erlaubt, ist eine Frage seiner Bedingungen, die sich nicht verallgemeinern lässt.
- Der rechtliche und steuerliche Status der einzelnen Modelle unterscheidet sich in der EU und entwickelt sich weiter. Diese Lektion erklärt die Mechanik, nicht die Regulierung oder die Steuern.

