Was ist genau passiert?
Die Kryptobörse Bybit hat eine Zivilklage gegen Nordkorea (DVRK), dessen Geheimdienst und die Hackergruppe Lazarus Group eingereicht. Die Klage richtet sich an das Bundesgericht für den District of Columbia und betrifft den umfangreichen Cyberangriff vom 21. Februar 2025, berichtet Incrypted unter Verweis auf die Gerichtsunterlagen.
Bei dem Angriff wurden Kryptowerte im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar entwendet. Die Quellen nennen sowohl den Betrag von 1,5 Milliarden Dollar (Decrypt) als auch die genauere Zahl von 1,46 Milliarden Dollar (Incrypted). Es handelt sich um einen der größten Diebstähle in der Geschichte der Kryptowährungen.
Was hat das Gericht angeordnet?
Zeitgleich mit der Klageeinreichung erwirkte Bybit eine einstweilige Verfügung (preliminary injunction), die den Transfer der gestohlenen Mittel untersagt, so Incrypted.
Das US-Gericht unterstützte zudem den Antrag von Bybit auf eine sogenannte beschleunigte Offenlegung (expedited discovery). Damit kann die Börse von Plattformen mit US-Bezug die Identitäten der Konten, deren Guthaben und Transaktionshistorien anfordern, informiert Cointelegraph. Ziel ist es, nachzuverfolgen, wohin die gestohlenen Mittel geflossen sind.
Wie viel konnte zurückgeholt werden?
Die von Bybit selbst veröffentlichten Zahlen zeigen, dass es sich bislang nur um einen Bruchteil der entwendeten Summe handelt.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Insgesamt entwendet (Februar 2025) | ca. 1,5 Mrd. USD |
| Zurückgeholt | 48,4 Mio. USD |
| Zusätzlich eingefroren | 30,5 Mio. USD |
| Zahl der Stellen, bei denen Mittel eingefroren sind | mehr als 28 Börsen und Custodians |
Quelle: Decrypt und Incrypted. Die eingefrorenen 30,5 Millionen Dollar liegen laut Incrypted bei mehr als 28 Börsen und Custodians.
Wer ist die Lazarus Group?
Die Lazarus Group ist eine Hackergruppe, die seit Langem mit Nordkorea in Verbindung gebracht wird. Bybit nennt sie in seiner Klage als Akteur des Angriffs neben dem Staat DVRK selbst und dessen Geheimdienst (Incrypted). Die Zuordnung des Angriffs beruht auf den Angaben der Klägerin, das Gerichtsverfahren steht noch aus.
Was wir noch nicht wissen
Die Klage steht am Anfang. Es ist nicht bekannt, wie (und ob) Nordkorea darauf reagieren wird, noch wie durchsetzbar ein etwaiges Urteil gegenüber einem Staat sein wird, der außerhalb der Reichweite der US-Behörden steht. Ebenso wenig geht aus den verfügbaren Quellen hervor, wie viel von der gesamten entwendeten Summe letztlich über die heute genannten Zahlen hinaus zurückgeholt werden kann.
Worauf man bei dieser Art von Fall achten sollte
Dies ist eine Meldung über einen rechtlichen Schritt und dessen unmittelbare Folgen, keine Handlungsempfehlung. Bei ähnlichen Fällen ist es ratsam, drei Dinge zu trennen: was durch die Gerichtsunterlagen belegt ist (Klage und einstweilige Verfügung), was die geschädigte Partei behauptet (Schadenshöhe und Zuordnung des Angriffs) und was bislang offen ist (das endgültige Ausmaß der Rückholung der Mittel). charliedesk wird verfolgen, ob sich die veröffentlichten Zahlen zu zurückgeholten und eingefrorenen Mitteln im Laufe der Zeit ändern.

