Was genau ist passiert?
Die CFTC (Commodity Futures Trading Commission, die US-Regulierungsbehörde für Märkte mit Warenderivaten) hat am Donnerstag dem Weißen Haus einen Regelentwurf für die Marktstruktur von Kryptowerten zur Prüfung übermittelt. Darüber berichteten übereinstimmend The Defiant, Cointelegraph, CoinDesk und The Block am 18. September 2026.
Entscheidend ist das Timing. Die Einreichung kam nur zwei Tage, nachdem der Senat es abgelehnt hatte, die Beratung eines Gesetzes zu eröffnen, das eine ähnliche Regulierung gesetzlich verankern sollte (laut The Defiant und Cointelegraph handelt es sich um den CLARITY Act). Mit anderen Worten: Als der Kongress ins Stocken geriet, griff die Regulierungsbehörde auf ihren eigenen Weg zurück.
In welcher Phase befindet sich der Entwurf?
Laut The Defiant handelt es sich um die sogenannte Prerule Stage, also die früheste Phase der Regelerstellung. Es ist keine fertige Verordnung und kein Text, der sofort in Kraft treten würde. Es ist ein formaler Schritt, bei dem die Behörde ihre Absicht ankündigt und sie zur koordinierenden Prüfung vorlegt.
The Defiant führt zugleich an, dass es sich derzeit um den einzigen Schritt der CFTC handelt, der auf die Prüfung durch das Weiße Haus wartet. Das deutet darauf hin, dass die Regulierungsbehörde diesem Thema Priorität einräumt.
Wer steht dahinter?
The Defiant erwähnt den CFTC-Vorsitzenden Michael Selig, der sich bereits im August zu dem Thema geäußert hatte. Der genaue Wortlaut seiner Äußerung und die endgültige Form der Regeln gehen aus den verfügbaren Quellen nicht hervor, weshalb mit dem Inhalt des Entwurfs vorerst vorsichtig umzugehen ist.
Hängt damit auch ein Schritt der SEC zusammen?
CoinDesk wies am selben Tag darauf hin, dass parallel die US-Börsenaufsicht (SEC) einen neuen Weg für den Handel mit tokenisierten Aktien eröffnet. Beide Regulierungsbehörden gehen laut der verfügbaren Berichterstattung also parallel vor, auch wenn es sich um getrennte Schritte handelt. Details zum Schritt der SEC werden in den bereitgestellten Quellen nicht ausgeführt.
Warum ist das wichtig?
Lange wurde erwartet, dass klare Regeln für Krypto in den USA durch ein Gesetz aus dem Kongress kommen würden. Das Stocken im Senat hat diesen Weg erschwert. Die Einreichung der CFTC zeigt ein alternatives Szenario: Die Regulierung erstellt eine Exekutivbehörde durch eine eigene Verordnung, nicht durch ein Gesetz.
Der Unterschied ist grundlegend. Eine Verordnung einer Behörde entsteht schneller und ohne Abstimmung im Kongress, ist aber auch leichter vor Gericht anfechtbar und weniger stabil bei einem Führungswechsel. Eine gesetzlich verankerte Regel hat dagegen eine größere Beständigkeit.
Was wissen wir noch nicht?
Aus den verfügbaren Quellen kennen wir weder den konkreten Inhalt der vorgeschlagenen Regeln noch den genauen Zeitplan oder wie lange die Prüfung im Weißen Haus dauern wird. Wir wissen auch nicht, ob und in welcher Form der Kongress noch auf das Thema zurückkommt. Diese Punkte werden wir verfolgen und ergänzen, sobald die Primärdokumente vorliegen.
Worauf sollte man bei dieser Art von Nachricht achten?
Bei Regulierungsnachrichten in einer frühen Phase gilt, dass zwischen der Ankündigung einer Absicht und geltenden Regeln oft ein langer Weg liegt. Die Prerule Stage ist keine geltende Regulierung. Es lohnt sich, drei Dinge zu beobachten: wann ein konkreter Text des Entwurfs erscheint, wie die Prüfung des Weißen Hauses ausfällt und ob sich parallel der Kongress bewegt. Erst diese Meilensteine werden zeigen, wie real die Regeln letztlich sein werden.

