Was hat Circle gestartet?
Circle, der Herausgeber des Stablecoins USDC, hat einen Auktionsmechanismus geöffnet, der zwei Marktseiten miteinander verbindet: diejenigen, die neue USDC erzeugen wollen (sogenannte Minter), und diejenigen, die USDC wieder in Dollar auszahlen lassen wollen (sogenannte Redeemer).
Laut The Defiant handelt es sich um sogenannte Hourly-Match-Auktionen, also ein Matching, das stündlich stattfindet. Kern des Mechanismus: Die Gebühr für die Abwicklung der Auszahlung (Redemption Clearing Fee), die die auszahlende Seite bezahlt, wird zugunsten der Seite verschoben, die neue Token prägt. CryptoSlate beschreibt es so, dass berechtigte Institutionen ein Rebate kassieren können, das durch die gematchten Redeemer finanziert wird.
Begriffserklärung:
- Minter (Prägung): eine Partei, die Dollar einzahlt und sich neue USDC ausgeben lässt.
- Redeemer (Auszahlung): eine Partei, die USDC zurückgibt und Dollar zurückhaben möchte.
- Rebate: Rückerstattung eines Teils der Gebühr, hier zugunsten des Minters.
Wer zahlt und wer bekommt?
Die Logik des Geldflusses sieht laut beiden Quellen so aus:
| Partei | Rolle in der Auktion | Auswirkung auf die Wallet |
|---|---|---|
| Redeemer | zahlt die Auszahlungsgebühr | trägt die Kosten, gedeckelt durch den Express-Tarif |
| Minter | wird mit einem Redeemer gematcht | kassiert das Rebate aus dieser Gebühr |
| Circle | Betreiber der Auktion | legt den Deckel und die Regeln fest |
Entscheidend ist das Wort "Deckel". Sowohl CryptoSlate als auch The Defiant geben an, dass die in der Auktion berechneten Gebühren auf das Niveau des Express-Tarifs begrenzt sind, also der schnelleren (und teureren) Abwicklungsvariante, die Circle anbietet. Mit anderen Worten: Ein Redeemer sollte in der Auktion nicht mehr zahlen als für eine Express-Auszahlung.
Warum ist das relevant?
Stablecoins wie USDC funktionieren üblicherweise nach dem Prinzip von Prägung und Auszahlung im Verhältnis 1:1 zur Deckung. Die Verschiebung der Gebühr von der auszahlenden zur prägenden Seite ist deshalb interessant, weil sie einen Anreiz schafft, Liquidität auf der Prägungsseite zu halten. Wer als Gegenpartei für Auszahlungen fungieren kann, erzielt statt Kosten möglicherweise Einnahmen.
Das ist ein Mechanismus, der institutionelle Akteure bevorzugt, die in großem Volumen und in Echtzeit operieren können. Ein gewöhnlicher Retail-Nutzer nimmt am Matching in stündlichen Auktionen in der Regel nicht teil.
Was wir bisher nicht wissen
Die verifizierten Quellen, die wir haben, beschreiben das Prinzip, nennen aber keine vollständigen Zahlen. Wir haben weder die genaue Höhe des Express-Tarifs noch die konkrete Berechnung des Rebate bestätigt, noch wer genau zu den "berechtigten Institutionen" zählt oder ab wann der Mechanismus vollständig läuft. Diese Details sollten erst durch die Primärdokumentation von Circle bestätigt werden, die uns derzeit nicht verifiziert vorliegt.
Wir verifizieren auch nicht die Auswirkung auf die Endpreise der Auszahlung für normale Nutzer, da diese den Auktionsweg standardmäßig nicht nutzen.
Zusammenhang: Klage eines Circle-Aktionärs
Separat und ohne Bezug zum Auktionsmechanismus berichten Kryptonovinky.cz und Kryptonovinky.sk (unter Berufung auf Cointelegraph) darüber, dass der Circle-Aktionär J. Benjamin Greenberg bei einem Bundesgericht im District of Columbia eine Klage gegen Präsident Donald Trump, seine familiäre Kryptofirma World Liberty Financial, verbundene Unternehmen und den Sondergesandten für den Nahen Osten Steve Witkoff eingereicht hat. Greenberg gab laut diesen Quellen an, 10.000 Circle-Aktien zu besitzen.
Es handelt sich um eine andere Geschichte, die dieselbe Firma betrifft. Zwischen dieser Klage und dem Start der USDC-Auktionen haben wir keinen belegten kausalen Zusammenhang.
Worauf man bei dieser Art von Sache achten sollte
Bei neuen Gebührenmechanismen von Stablecoins ist es sinnvoll, drei Dinge zu beobachten: wer genau "berechtigt" ist (also wie offen das System real ist), wie hoch der tatsächliche Gebührendeckel in Zahlen ausfällt und ob sich das Matching in den Volumina von Prägung und Auszahlung in den On-Chain-Daten niederschlägt. Erst das zeigt, ob der Mechanismus reales Geld verschiebt oder ob es sich vor allem um Marketing handelt.

