Was ist eigentlich passiert?
Laut dem Portal Cointelegraph kam aus der Branche eine Warnung, dass die Verzögerung des US-amerikanischen CLARITY Act (ein Entwurf, der in den USA die Aufsicht über Kryptoassets klar zwischen den Regulierungsbehörden aufteilen und die Spielregeln festlegen soll) eine Chance für asiatische Finanzzentren schafft. Der Chef des Unternehmens First Digital argumentiert in dem zitierten Material, dass asiatische Jurisdiktionen, solange in den USA legislative Unsicherheit herrscht, sowohl Kapital als auch Unternehmen anziehen können, die ein vorhersehbares Umfeld suchen.
Dabei handelt es sich um die Meinung einer konkreten Person aus der Branche, nicht um eine nachgewiesene Kapitalverlagerung. Das ist eine wichtige Unterscheidung, auf die wir noch zurückkommen.
Was sind die wichtigsten Behauptungen aus der Originalquelle?
Cointelegraph fasst drei Befürchtungen zusammen, die sich laut den befragten Branchenvertretern aus der fortgesetzten Verzögerung ergeben:
- Verlangsamung der institutionellen Adoption. Ohne klare Regeln würden große Institutionen zögern, tiefer einzusteigen.
- Rückkehr der "Regulierung durch Vollzug". Damit ist ein Zustand gemeint, in dem die Aufsichtsbehörden statt vorab festgelegter Regeln über den Weg einzelner Klagen und Sanktionen vorgehen.
- Abwanderung von Innovationen aus den USA. Unternehmen könnten dieser Ansicht nach Entwicklung und Firmensitze in entgegenkommendere Jurisdiktionen verlagern, typischerweise nach Asien.
Dies sind Behauptungen und Vorhersagen von Marktakteuren. charliedesk führt sie als Meinung an, nicht als belegten Fakt.
Was sagen die Zahlen aus der Branche dazu?
Das legislative Thema selbst lässt sich nicht mit harten Daten messen, doch der Kontext rund um Kryptounternehmen in den letzten Bilanzsaisons deutet an, wohin sich Aufmerksamkeit und Kapital verlagern.
Laut dem Portal The Block meldeten die Bitcoin-Miner MARA und CleanSpark zweistellige Umsatzrückgänge, während sie ihre Verlagerung in Richtung Infrastruktur für künstliche Intelligenz fortsetzen. The Block gibt an, dass sich der Nettoverlust von MARA auf 611,3 Millionen Dollar (1,60 Dollar je verwässerter Aktie) ausweitete und der Verlust von CleanSpark 239,8 Millionen Dollar (0,89 Dollar je Grundaktie) betrug.
Laut dem Portal CryptoSlate schloss Galaxy Digital das zweite Quartal mit einem Nettoverlust von 85 Millionen Dollar ab, den das Unternehmen laut den bei der SEC eingereichten Ergebnissen vor allem niedrigeren Preisen digitaler Assets zuschreibt. Sowohl der verwässerte als auch der bereinigte Gewinn je Aktie lag laut CryptoSlate bei minus 0,09 Dollar. Zugleich prognostiziert das Unternehmen laut derselben Quelle rund 80 Millionen Dollar Einnahmen aus KI, die helfen sollen, die KI-Investition in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar auszugleichen, wobei die ersten Kapazitäten der Phase I bereits im Rahmen eines Vertrags mit CoreWeave beitragen.
| Unternehmen | Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|---|
| MARA | Nettoverlust | 611,3 Mio. USD (1,60 USD/Aktie) | The Block |
| CleanSpark | Nettoverlust | 239,8 Mio. USD (0,89 USD/Aktie) | The Block |
| Galaxy Digital | Nettoverlust Q2 | 85 Mio. USD (-0,09 USD/Aktie) | CryptoSlate |
Wie hängt damit die Kapitalverlagerung von KI zu Kryptowährungen zusammen?
CoinDesk beschreibt einen Fall, in dem starke Ergebnisse der Speicherhersteller SanDisk und Western Digital den Investoren nicht ausreichten und die Aktien um etwa 10 % fielen. CoinDesk stellt die Frage, ob damit eine Kapitalrotation von den "KI-Gewinnern" zurück in Kryptowährungen beginnt.
Dabei handelt es sich um eine Hypothese, die die Quelle selbst als Frage formuliert, nicht als bestätigten Trend. Wir führen sie mit derselben Vorsicht an: eine einzelne Aktienbewegung beweist keine dauerhafte Kapitalrotation.
Was ist Fakt und was bislang nicht?
Nachgewiesen sind die Verzögerung des Gesetzgebungsprozesses und die konkreten, in den Quellen zitierten Ergebniszahlen der Unternehmen. Die Kausalität hingegen, also dass die Verzögerung des CLARITY Act direkt Kapital oder Innovationen nach Asien verlagert, ist in den genannten Quellen nicht durch harte Daten belegt. Es handelt sich um die Meinung von Branchenakteuren.
Worauf man bei dieser Art von Geschichte weiter achten sollte?
- Reale Indikatoren einer Verlagerung. Konkrete Verlagerungen von Firmensitzen, Lizenzen oder Emissionen in asiatische Zentren, nicht nur Erklärungen.
- Vorgehen der Regulierungsbehörden in den USA. Ob vorab festgelegte Regeln überwiegen oder der Ansatz über den Vollzug.
- Bilanzsaisons der Kryptounternehmen. Ob der KI-Pivot der Miner und von Unternehmen wie Galaxy die durch Kryptoasset-Preise getriebenen Schwankungen tatsächlich dämpft.
- Daten zum Kapitalfluss. Ob sich die Hypothese von CoinDesk zur Rotation von KI zu Kryptowährungen in breiteren Daten bestätigt und nicht nur in einer einzelnen Aktienbewegung.
Sobald harte Daten vorliegen, werden wir diesen Artikel anhand dieser überprüfen.

