Was ist genau passiert?
Coinbase Derivatives, die Derivatesparte der Börse Coinbase, hat bei der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) einen Antrag auf Zulassung einer neuen Reihe von Perpetual Futures gestellt. Das geht aus einem Bericht des Portals The Defiant hervor, wonach es sich um in bar abgerechnete Kontrakte (sogenannte cash-settled) handelt, die an einzelne US-Aktien und börsengehandelte Fonds (ETFs) gekoppelt sind.
Laut den Portalen Decrypt und Cointelegraph gehören zu den genannten Werten Apple, Tesla und Nvidia. Die Kontrakte sollen US-Händlern ein gehebeltes Engagement an der Kursbewegung einzelner Aktien im 24/5-Modus ermöglichen (also 24 Stunden täglich, fünf Tage die Woche), ohne die Aktien selbst zu halten.
Perpetual Futures (Perps) sind Derivatekontrakte ohne Verfallsdatum. Anders als klassische Futures müssen sie zu keinem bestimmten Tag abgerechnet oder gerollt werden. An Kryptobörsen sind sie seit langem üblich; hier schlägt Coinbase sie für traditionelle Aktien vor.
Was ist daran neu?
Laut The Defiant handelt es sich um eine Erweiterung des bisherigen inländischen Angebots an Perpetual Futures von Coinbase. Während es in den USA bislang um Kontrakte auf Aktienindizes ging, richtet sich dieser Antrag erstmals auf einzelne Wertpapiere.
Die Schlüsselbegriffe lauten "cash-settled" und "ohne Besitz". Der Händler kauft keine Apple-Aktie; er setzt auf deren Kursbewegung, und die Abrechnung erfolgt in bar. Das ist rechtlich wie technisch ein anderes Produkt als der Kauf einer Aktie bei einem Broker.
Wer kann diese Kontrakte kaufen und ab wann?
Hier ist Genauigkeit nötig. Es handelt sich um einen Antrag, nicht um ein gestartetes Produkt. Laut Cointelegraph warten die vorgeschlagenen Kontrakte derzeit auf die regulatorische Genehmigung. The Defiant weist zugleich darauf hin, dass US-Kunden bislang keinen Zugang zu Perpetual Futures haben.
Was aus den öffentlich zugänglichen Quellen derzeit nicht bekannt ist: der genaue Zeitpunkt, wann (und ob) die CFTC den Antrag genehmigt, die konkrete Höhe des zulässigen Hebels, die vollständige Liste aller betroffenen Aktien und ETFs sowie das Datum eines möglichen Starts. Diese Details dürften erst im Verlauf des regulatorischen Verfahrens klarer werden.
Warum sehen manche darin ein bedeutendes Signal?
Den breiteren Kontext liefert The Block. Der Investor Kevin O'Leary soll demnach erklärt haben, dass er wieder Krypto kaufe und dass er den Moment, in dem eine große Aktienbörse ein Blockchain-Netzwerk übernimmt, für den eigentlichen Wendepunkt ("watershed moment") halte.
Dies ist allerdings die Meinung einer einzelnen Person, kein Fakt über den Markt und keine Bestätigung, dass sich etwas Derartiges anbahnt. Wir führen es als Kontext zum Interesse der traditionellen Finanzwelt an einer Verknüpfung von Aktien und Blockchain- bzw. Derivateinfrastruktur an, nicht als Beleg für einen Trend.
Worauf man bei dieser Art von Ereignissen achten sollte
- Entscheidung der CFTC. Solange der Regulator den Antrag nicht genehmigt, handelt es sich um einen Vorschlag. Die Entscheidung (positiv, negativ oder mit Auflagen) ist der zentrale Meilenstein.
- Produktparameter. Die Höhe des Hebels, die Gebühren, der Finanzierungsmechanismus (Funding Rate) und die Liste der Basiswerte bestimmen, wie riskant und attraktiv das Produkt real sein wird.
- Wer Zugang erhält. Ob und wie das Produkt für US-Privatkunden geöffnet wird.
charliedesk gibt keine Anlageempfehlungen. Dieser Text beschreibt, was eingereicht wurde und was bislang offen bleibt.
Zusammenfassung
Coinbase Derivatives hat bei der CFTC die Zulassung von Perpetual Futures auf einzelne US-Aktien und ETFs beantragt, darunter Apple, Tesla und Nvidia. Das Produkt soll ein gehebeltes, in bar abgerechnetes Engagement im 24/5-Modus ohne Aktienbesitz bieten. Bislang handelt es sich um einen Antrag, der auf Genehmigung wartet; Zeitpunkt, Hebel und Verfügbarkeit für US-Kunden sind aus öffentlichen Quellen nicht bekannt.

