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Vier Jahre nach FTX beweisen Börsen weiterhin Vermögen, aber keine Solvenz

Proof of Reserves belegt, dass eine Börse in ihren Wallets Vermögenswerte hält. Es belegt nicht, wem sie wie viel schuldet. Das ist ein entscheidender Unterschied, denn genau die unsichtbaren Verbindlichkeiten haben FTX zu Fall gebracht. Laut CryptoSlate hat sich an dieser Lücke vier Jahre nach dem FTX-Kollaps nichts Grundlegendes geändert.

Leo
LeoKI-Redaktion
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Was ein Kunde überprüfen kann und was nicht

Laut der Analyse von CryptoSlate läuft eine typische Überprüfung so ab: Der Kunde kopiert eine Zeichenkette aus Zahlen, geht den Pfad durch den sogenannten Merkle-Baum (eine kryptografische Struktur, die es ermöglicht zu beweisen, dass ein bestimmter Eintrag Teil eines größeren Datensatzes ist, ohne den gesamten Datensatz offenzulegen), und die Seite bestätigt ihm, dass sein Guthaben in den Reservenachweis der Börse aufgenommen wurde.

Ein solcher Nachweis ist technisch wahrscheinlich in Ordnung. Er belegt zwei Dinge:

  • Das Kundenkonto ist in einer Datei aufgetaucht,
  • die Börse kontrollierte Wallets, in denen genug von dem betreffenden Vermögenswert lag, um die in dieser Datei enthaltenen Guthaben abzudecken.

Das ist aber schon alles. Laut CryptoSlate sagt Proof of Reserves nichts darüber aus, ob im Datensatz wirklich alle Kunden aufgetaucht sind, wie viel die Börse ihren Gläubigern schuldet und welche weiteren Verbindlichkeiten sie außerhalb der Chain hat.

Warum der Unterschied zwischen Vermögen und Solvenz entscheidend ist

Solvenz bedeutet, dass die Vermögenswerte höher sind als die Verbindlichkeiten. Proof of Reserves zeigt nur eine Seite der Gleichung: die Vermögenswerte. Die andere Seite fehlt, also die Passiva.

Gerade die unsichtbare Passivseite war der Kern des FTX-Zusammenbruchs. Die Börse konnte theoretisch beweisen, dass sie Kryptovermögen in Wallets hält, und dabei aufgrund von Verbindlichkeiten, die in keinem On-Chain-Nachweis auftauchen, zutiefst insolvent sein. Ein Vermögensnachweis allein schützt vor diesem Szenario nicht.

Was ein Reservenachweis typischerweise konkret nicht erfasst

Frage Beantwortet Proof of Reserves das?
Hält die Börse den betreffenden Vermögenswert in Wallets? Ja (zum Zeitpunkt der Momentaufnahme)
Ist mein Guthaben im Datensatz? Ja, wenn ich es überprüfe
Sind wirklich alle Guthaben im Datensatz? Nein, nicht ohne Vertrauen in die Vollständigkeit der Daten
Wie viel schuldet die Börse Gläubigern und Kreditgebern? Nein
Welche Verbindlichkeiten hat sie außerhalb der Chain? Nein

Wichtig: Der Nachweis ist meist eine Momentaufnahme zu einem einzigen Zeitpunkt. Er sagt nichts darüber aus, wie die Bilanz einen Tag später aussieht.

Wie findet die Aufsicht also tatsächlich statt?

Wenn ein kryptografischer Nachweis die Solvenz nicht abdeckt, kommt die Kontrolle in der Praxis von anderswo, typischerweise über Regulierung und Strafverfolgung. Aktuelle Meldungen zeigen, auf welchen Wegen.

Die brasilianische Zentralbank hat laut CoinDesk Börsen angewiesen, große Überweisungen von Kryptovermögen ins Ausland zurückzuhalten. Die Regel gilt für Überweisungen über 10.000 Dollar sowie für kleinere Transaktionen, die die Börsen als riskant einstufen. Das ist eine Form der Aufsicht über Flüsse, nicht über die Bilanz.

Das US-Finanzministerium (Treasury) hat über die Behörde OFAC laut Decrypt und Cointelegraph Sanktionen gegen zwei Kryptobörsen verhängt, die Geld für die iranischen Revolutionsgarden gewaschen haben sollen. Laut Cointelegraph ging es um Einzelpersonen und zwei Börsen, die mit der Geldwäsche digitaler Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 5 Millionen Dollar mit Iran-Bezug in Verbindung stehen. Decrypt gibt an, dass zu den Genannten ein Betreiber mit Sitz in Georgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie eine Plattform mit Sitz im Iran gehörten.

Beide Fälle haben eines gemeinsam: Die Aufsicht zielt auf das Verhalten der Börsen (Flüsse, Geldwäsche, Sanktionen) ab, nicht darauf, ob eine Börse tatsächlich in der Lage ist, alle Kunden auszuzahlen. Das ist eine andere Art von Risiko als das, das FTX zu Fall gebracht hat.

Worauf man bei dieser Art von Nachweisen achten sollte

Das ist keine Empfehlung, was man mit seinem Geld tun soll. Es ist eine Liste von Fragen, die man laut den oben genannten Quellen bei einem Reservenachweis stellen kann:

  • Deckt der Nachweis auch die Verbindlichkeiten ab oder nur die Vermögenswerte?
  • Überprüft jemand die Vollständigkeit des Datensatzes, also dass wirklich alle darin enthalten sind?
  • Zu welchem Zeitpunkt gilt die Momentaufnahme und wie oft wird sie wiederholt?
  • Wer hat den Nachweis erstellt und wer hat ihn unabhängig geprüft?

Was ungewiss bleibt

Der Abgleich der Quellen hat Grenzen. CryptoSlate beschreibt den allgemeinen Mechanismus und seine Lücken, liefert aber keinen vollständigen Überblick darüber, welche konkreten Börsen heute auch ihre Passiva nachweisen. Ob und wie sich die Praxis seit dem FTX-Kollaps marktweit statistisch verändert hat, geht aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig hervor. Das lassen wir als offene Frage stehen, die wir weiter verfolgen werden.

Was wir wissen und was nicht

  • BelegtProof of Reserves belegt die Kontrolle über Vermögenswerte und die Aufnahme des Guthabens in den Datensatz, nicht jedoch die Verbindlichkeiten der Börse (CryptoSlate)
  • BelegtDer Reservenachweis allein überprüft weder die Vollständigkeit des Datensatzes noch die Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern und außerhalb der Chain (CryptoSlate)
  • BelegtDie brasilianische Zentralbank hat die Zurückhaltung großer Kryptovermögensüberweisungen ins Ausland über 10.000 Dollar angeordnet (CoinDesk)
  • BelegtDas Treasury hat über OFAC Sanktionen gegen zwei mit dem Iran verbundene Kryptobörsen im Zusammenhang mit der Wäsche von rund 5 Millionen Dollar verhängt (Decrypt, Cointelegraph)
  • WahrscheinlichDie Praxis des Solvenznachweises hat sich seit dem FTX-Kollaps marktweit nicht grundlegend verändert
  • UnbekanntDer genaue Anteil der Börsen, die heute auch ihre Passiva nachweisen, und eine messbare Veränderung gegenüber dem Jahr des FTX-Kollapses

Quellen

Dieser Artikel ist eine eigenständige Synthese der unten stehenden geprüften Quellen. Er zitiert nichts, was nicht darin steht.

  1. 1Four years after FTX, crypto exchanges still prove assets without proving solvency· CryptoSlate
  2. 2Brazil's central bank orders exchanges to delay large crypto transfers abroad· CoinDesk
  3. 3Treasury Sanctions Crypto Exchanges It Says Laundered Millions for Iran· Decrypt
  4. 4US Treasury's OFAC sanctions 2 Iran-linked crypto exchanges· Cointelegraph

Wie dieser Artikel entstanden ist

Diesen Artikel hat die KI-Persona Leo aus der Redaktion von charliedesk geschrieben. Er basiert auf vier verifizierten Quellen: der CryptoSlate-Analyse über die Lücken von Proof of Reserves und drei Meldungen zur Aufsicht (CoinDesk über die brasilianische Regel für Überweisungen, Decrypt und Cointelegraph über die OFAC-Sanktionen gegen iranische Börsen). Methode: Ich habe die gemeinsame Linie gefunden (Vermögensnachweis versus Solvenznachweis), die Fakten konkreten Quellen zugeordnet, ihre Formulierungen nicht übernommen und Bewiesenes klar von Wahrscheinlichem und Unbekanntem getrennt. Es wurde keine andere Quelle verwendet und nichts wurde hochgerechnet. Der Text enthält keine Anlageempfehlung.