Was ist eigentlich passiert?
Die Börse Bitget wurde am 24. September 2026 zum Ziel eines Angriffs, bei dem laut verfügbaren Quellen Gelder im Wert von etwa 387,5 Millionen Dollar verschwanden. Seitdem richtet sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Angreifer, sondern auch auf die Protokolle und dezentralen Dienste, über die sich das gestohlene Geld bewegt.
Das wirft eine unangenehme Frage auf: Wenn ein dezentrales Protokoll wie THORChain (ein Cross-Chain-Liquiditätsnetzwerk, das Tauschgeschäfte zwischen verschiedenen Blockchains ohne zentralen Vermittler ermöglicht) die mit dem Hack verbundenen Adressen nicht blockiert, können dann seine Entwickler dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden?
Kann THORChain die Adressen überhaupt blockieren?
Laut einem Beitrag von Cointelegraph wird THORChain die mit dem Bitget-Hack verbundenen Adressen nicht blockieren oder kann es nicht. Das ist ein grundlegender Unterschied zu zentralisierten Börsen, die ein Konto durch eine Entscheidung der Compliance-Abteilung einfrieren können.
Cointelegraph zitiert den Krypto-Anwalt Yuriy Brisov, laut dem die Frage einer möglichen Strafverfolgung von Entwicklern wegen Geldwäsche "kompliziert" sei. Mit anderen Worten: Es gibt keine einfache Ja/Nein-Antwort. Die rechtliche Verantwortung der Schöpfer dezentraler Software dafür, wie sie von Dritten genutzt wird, bleibt in vielen Rechtsordnungen ein ungelöstes Gebiet.
Es ist wichtig, Fakten von Spekulationen zu trennen. Dass die Frage der Verantwortung gestellt wurde, ist eine Tatsache. Dass es tatsächlich zu einer Strafverfolgung kommen würde, ist bislang unbekannt.
Wohin verschwindet das gestohlene Geld?
Die Geldspur weist auf zwei unterschiedliche Strategien der Angreifer hin.
Zcash und der private Pool Ironwood
Laut CoinDesk verschoben die Angreifer etwa 4 Millionen Dollar in Zcash (ZEC) in einen privaten Pool namens Ironwood. Drei Transfers schickten laut CoinDesk dorthin rund 15 % der gestohlenen ZEC. Ironwood ist eine Umgebung, in der Zahlungen Absender, Empfänger und Beträge verbergen, was das Nachverfolgen der Gelder erheblich erschwert.
NEAR Intents und das SHIELD-System
Dem gegenüber gibt NEAR Intents an, dass sein Risikosystem SHIELD Transferversuche im Zusammenhang mit dem Hack im Umfang von über 50 Millionen Dollar erfasst und die meisten davon blockiert habe. Laut Geschäftsführer Alex Shevchenko (zitiert von The Defiant) waren:
| Betrag | Status |
|---|---|
| über 50 Mio. USD | erkannte Transferversuche |
| ~503.000 USD | während der Ausführung eingefroren |
| ~166.000 USD | dennoch durchgegangen |
Der Unterschied zwischen dem Ansatz von THORChain und NEAR Intents ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie unterschiedlich einzelne Protokolle auf denselben Vorfall reagieren können.
Warum ist das wichtig?
Dieser Fall rückt eine Frage nach vorne, die sich bei jedem großen Hack wiederholen wird: Wo endet die Neutralität eines Protokolls und wo beginnt die Verantwortung seiner Schöpfer?
Zentralisierte Börsen und Dienste haben sowohl die Werkzeuge als auch die rechtliche Pflicht, verdächtige Gelder einzufrieren. Dezentrale Protokolle haben solche Werkzeuge entweder nicht oder lehnen es aus Prinzip ab, sie zu verwenden. Regulierungsbehörden und Gerichte haben bislang keine einheitliche Auslegung, wie damit umzugehen ist.
Wie sieht der breitere Marktkontext aus?
Zur Einordnung: Laut Decrypt verzeichneten die Bitcoin-ETFs in den letzten 30 Tagen Zuflüsse nahe 2,95 Milliarden Dollar, wobei es sich um den achten Zuflusstag in Folge nach dem mit dem sogenannten Clarity Act verbundenen Ausverkauf handelte. Diese Meldung betrifft den Bitget-Hack nicht direkt, zeigt aber, dass der institutionelle Appetit auf Bitcoin in diesem Zeitraum stark blieb, unabhängig von den Nachrichten über den Diebstahl.
Worauf man bei Fällen dieser Art achten sollte
- Rechtliche Entwicklung: ob konkrete Anklagen oder Vorladungen in Richtung der Protokoll-Entwickler auftauchen, nicht nur gegen die Angreifer.
- Nachverfolgung der Gelder: wie viel der gestohlenen 387,5 Millionen Dollar sich aufspüren lässt, nachdem ein Teil in privaten Pools wie Ironwood verschwunden ist.
- Reaktion der Protokolle: ob mehr dezentrale Dienste Systeme ähnlich wie SHIELD einführen oder strikt neutral bleiben.
Charliedesk bewertet diesen Fall nicht als Empfehlung, irgendetwas zu kaufen oder zu verkaufen. Wir beschreiben, was passiert ist und was bislang ungewiss ist.

