Was ist gerade passiert?
Staking, also das Sperren von ETH zur Absicherung des Netzwerks im Austausch gegen Belohnungen, ist gleich in mehrere Ereignisse auf einmal gerückt. Laut The Block hat der Anteil des gestakten ETH ein Niveau von rund 34 % erreicht, und genau mit diesem Trend hängt ein neuer Vorschlag zur Änderung der Netzwerkökonomie zusammen.
Wir verbinden drei Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, sich aber alle um das Staking drehen: den neuen Vorschlag EIP-8361, den Antrag von Fidelity auf Staking im ETF und einen Sicherheitspatch im Harmony-Netzwerk.
Was schlägt EIP-8361 vor?
Forscher haben laut The Block einen Vorschlag mit der Bezeichnung EIP-8361 eingereicht, der als "tapered issuance burn" beschrieben wird. Es handelt sich um einen Mechanismus, der einen wachsenden Anteil der Validator-Belohnungen verbrennen (unwiderruflich vernichten) würde, je nachdem, wie das Verhältnis des gestakten ETH steigt.
Die Logik ist die: Je mehr ETH im Staking gesperrt ist, desto größer ist der Teil der neu ausgegebenen Belohnungen, der verbrannt wird. Das würde den Anreiz dämpfen, einen immer höheren Anteil des Gesamtangebots zu staken.
Wichtiger Hinweis: Ein EIP (Ethereum Improvement Proposal) ist ein Vorschlag, keine gültige Regel. Das Einreichen eines Vorschlags bedeutet nicht dessen Annahme. Ob und in welcher Form er ins Netzwerk gelangen würde, ist bislang nicht bekannt.
Was will Fidelity mit dem Ethereum-ETF machen?
Fidelity hat laut Cointelegraph bei der US-amerikanischen SEC ein geändertes Formular eingereicht (laut dem polnischen Portal Incrypted handelt es sich um das Formular S-3), mit dem Ziel, Staking in seinen Spot-Ethereum-ETF mit dem Ticker FETH aufzunehmen.
Aus den verfügbaren Informationen ergibt sich:
| Parameter | Angegebener Wert |
|---|---|
| Anteil der Belohnungen, den der FETH-Fonds behält | 85 % (laut Cointelegraph) |
| Auszahlungen an Investoren | vierteljährlich, in bar (laut Cointelegraph) |
| Maximaler Anteil der Fondsvermögen im Staking | bis zu 100 % (laut Incrypted) |
| Ungefähres Vermögensvolumen | rund 900 Mio. USD (laut Incrypted) |
Investoren würden laut Incrypted einen Teil der Belohnung erst nach Deckung der Kosten erhalten. Die genauen Bedingungen und vor allem, ob die SEC den Antrag genehmigt, sind bislang nicht bestätigt.
Wie passt Harmony da hinein?
Das Harmony-Netzwerk hat am 12. August laut The Defiant einen Mainnet-Patch in der Version v2026.1.1 veröffentlicht. Es reagierte damit auf Meldungen über die unberechtigte Erstellung von ONE-Tokens.
Der Patch ändert laut The Defiant zwei Verifizierungspfade:
- die Quorum-Prüfung, die Ausschüsse aus der Zeit vor der Staking-Epoche (pre-staking epoch) betraf,
- den Cross-Shard-Bestätigungsmechanismus (Receipt), der denselben Transfer mehr als einmal anwenden konnte (sogenannter Receipt-Replay).
Es handelt sich um ein eigenständiges Netzwerk und ein eigenständiges Ereignis, das nicht direkt mit dem Geschehen rund um Ethereum verbunden ist. Verbunden werden sie nur durch das breitere Thema: Sicherheit und Ökonomie des Stakings.
Was daran ist belegt und was nicht?
Belegte Fakten sind die Einreichungen und Ankündigungen selbst: die Existenz des Vorschlags EIP-8361, der Antrag von Fidelity bei der SEC und die Veröffentlichung des Harmony-Patches. Die Ergebnisse hingegen (Annahme des EIP, Genehmigung des ETF durch die SEC) sind bislang offen.
Vorsicht mit der Kausalität. Der Anteil von 34 % gestaktem ETH und die Einreichung von EIP-8361 hängen thematisch zusammen, das bedeutet aber nicht, dass das eine das andere in einer präzisen zeitlichen Abfolge verursacht hat. Wir halten uns an das, was die Quellen tatsächlich angeben.
Worauf sollte man bei dieser Art von Nachrichten achten?
Bei regulatorischen Einreichungen (wie der von Fidelity) ist es entscheidend, zwischen "eingereicht" und "genehmigt" zu unterscheiden. Bei Vorschlägen wie einem EIP gibt es den Unterschied zwischen "vorgeschlagen" und "im Netzwerk eingesetzt". Und bei Sicherheitspatches ist es ratsam zu verfolgen, ob das Team das Ausmaß eines eventuellen Schadens und ein Post-mortem veröffentlicht. Charliedesk gibt zu diesem Thema keinerlei Empfehlung, was damit zu tun ist.

