Worum geht es beim CLARITY Act?
Der CLARITY Act ist ein in Vorbereitung befindliches US-Gesetz, das die Zuständigkeiten über digitale Vermögenswerte zwischen den Regulierungsbehörden aufteilen und klar festlegen soll, wann ein Token ein Wertpapier und wann eine Ware ist. Genau diese Unsicherheit (wer was reguliert) ist seit Langem einer der wichtigsten Reibungspunkte zwischen Krypto-Unternehmen und den US-Behörden.
Im Sommer 2025 entbrannte im Senat eine intensive Debatte rund um das Gesetz. Dieser Text fasst zusammen, was aus den verfügbaren Quellen belegt ist und was bislang nicht belegt ist.
Was hat Grayscale getan?
Das Unternehmen Grayscale Investments, das Quelle [1] als größte auf digitale Vermögenswerte spezialisierte Investmentplattform beschreibt, wandte sich an die Führung des Senats mit der Aufforderung, den CLARITY Act noch vor Beginn der August-Pause des Kongresses zur Abstimmung zu bringen. Laut Incrypted [1] handelte es sich um einen offenen Brief des Chefsyndikus des Unternehmens.
Das Hauptargument von Grayscale lautet, dass ein Aufschub des Gesetzes die Position der USA in der globalen Krypto-Branche schwäche. Daher stammt auch die Rhetorik im Stil von "jeder Tag ohne Regeln ist ein Kapitalverlust", also dass ein fehlender Rechtsrahmen Kapital und Unternehmen abschreckt.
Wie stark war der öffentliche Druck?
Laut der Organisation Stand With Crypto, die von CrypS.pl [2] zitiert wird, wandten sich Krypto-Befürworter in den sieben Tagen vor der August-Pause rund eine Million Mal an die Gesetzgeber. Das deutet auf eine koordinierte Lobby- und Advocacy-Kampagne hin, die im letztmöglichen Zeitfenster auf den Senat ausgerichtet war.
CrypS.pl [2] weist zugleich darauf hin, dass auf Bundes- und Bundesstaatenebene weiterhin Meinungsverschiedenheiten in drei Bereichen bestehen:
- Schutz vor Betrug,
- Umfang der Rechtsdurchsetzung,
- mögliche Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dem Präsidenten.
Genau diese Punkte sind es, wegen derer sich die Verabschiedung in die Länge zieht.
Was sagen die Senatoren selbst?
Die Senatorin Cynthia Lummis, die BitHub.pl [3] als langjährige Befürworterin der Krypto-Branche und als eine der treibenden Kräfte hinter dem CLARITY Act bezeichnet, erklärte laut einem Interview mit Crypto In America, sie sei "es leid, hingehalten zu werden", und aus ihrer Sicht sei es an der Zeit, über das Gesetz abzustimmen. Das Schicksal des Gesetzes beschreibt BitHub.pl [3] jedoch weiterhin als ungewiss.
Von der anderen Seite kam ein Kompromissversuch. Laut Kryptonovinky.cz [4] schickten zwei Senatoren aus unterschiedlichen Parteien, Thom Tillis und Ruben Gallego, einen überarbeiteten Vorschlag für Ethikregeln ins Weiße Haus, der die Unterstützung für das Gesetz verbreitern könnte. Quelle [4] ordnet dies in den größeren Kontext der Bemühungen der Demokraten um eine strengere Regulierung ein.
Warum sollte das Leser in Europa interessieren?
Der CLARITY Act ist eine US-Gesetzgebung, aber seine Ausgestaltung beeinflusst, wie mit digitalen Vermögenswerten auf dem größten Kapitalmarkt der Welt umgegangen wird. Für europäische Projekte und Investoren ist das ein Referenzpunkt: Während die EU mit MiCA bereits einen eigenen Rahmen hat, entscheiden die USA über ihren erst. Der Unterschied im Ansatz (wer reguliert, wie streng, mit welchem Schutz vor Betrug) schlägt sich darin nieder, wohin die Liquidität fließt und wo Unternehmen ihren Sitz haben.
Hier ist Vorsicht geboten. Die Behauptung, dass ein fehlendes Gesetz "Kapital aus den USA abzieht", ist ein Argument von Grayscale, kein bewiesener Fakt. Es ist die Position einer interessierten Partei, die man als Meinung eines Lobbyisten und nicht als gemessenes Phänomen behandeln sollte.
Was ist bislang unklar?
Aus den verfügbaren Quellen lässt sich nicht bestätigen, ob der Senat vor der August-Pause tatsächlich über den CLARITY Act abgestimmt hat, noch wie eine eventuelle endgültige Fassung des Gesetzes aussah. Die Quellen beschreiben Druck, Appelle und Kompromissvorschläge, aber keine endgültige Entscheidung. Das ist eine entscheidende Unterscheidung: Wir wissen, dass lobbyiert und verhandelt wurde, wir wissen nicht, ob und wie es ausging.
Worauf man bei ähnlichen Geschichten achten sollte?
- Das offizielle Abstimmungsprotokoll des Senats (nicht die Pressemitteilungen der beteiligten Parteien).
- Den konkreten Wortlaut der Ethikregeln von Tillis und Gallego, sobald er veröffentlicht wird.
- Ob und wie sich der Schutz vor Betrug und die Frage der Interessenkonflikte in der endgültigen Fassung niederschlagen.
Sobald diese Daten vorliegen, lässt sich überprüfen, wer in dieser Phase der Debatte recht hatte.

