Was ist passiert?
Hester Peirce, Kommissarin der US-Börsenaufsicht (SEC), hat angekündigt, dass sie ihren Posten am 2. Oktober verlassen wird. Darüber berichteten sowohl Cointelegraph als auch CoinDesk. Peirce war rund acht Jahre bei der SEC tätig und stand an der Spitze der sogenannten Crypto Task Force, der internen Arbeitsgruppe der Behörde für Kryptoassets. In der Kryptobranche erwarb sie sich den Spitznamen "Crypto Mom" für ihre langjährig offene Haltung gegenüber dem Sektor.
Die SEC ist die wichtigste US-Wertpapieraufsichtsbehörde. Die Kommissare werden für eine Amtszeit ernannt, und ihr Ausscheiden beziehungsweise Antreten kann die Abstimmungsmehrheit innerhalb der Behörde verschieben.
Wer ist Hester Peirce?
Peirce war laut CoinDesk lange die beständigste Fürsprecherin der Kryptobranche innerhalb der SEC. Zu einer Zeit, als die Behörde eine Reihe von Vollstreckungsverfahren gegen Kryptofirmen führte, gehörte sie zu den Stimmen, die nach klareren Regeln statt Regulierung über Gerichtsverfahren riefen. Die Leitung der Crypto Task Force war laut Cointelegraph Teil ihres Mandats.
Ihr Ausscheiden war laut CoinDesk lange erwartet worden, und der Zeitpunkt der Ankündigung fiel mit der Veröffentlichung eines weiteren Teils ihrer Arbeit an Kryptothemen durch die Behörde zusammen.
Was sagte sie in einer ihrer letzten Reden?
In einem ihrer letzten Auftritte als Kommissarin widmete sich Peirce den KYC-Regeln (Know Your Customer, also der Pflicht von Finanzinstituten, die Identität von Kunden zu überprüfen). Laut CryptoSlate forderte sie Unternehmen auf, die Anhäufung von Kundendaten einzustellen, nachdem Datenlecks gezeigt hatten, welche Kosten die verpflichtende Erfassung von Identitäten mit sich bringt.
Peirce beschrieb laut einem Zitat von CryptoSlate eine Weggabelung: Ein Weg ist der Status quo mit immer mehr Datensammlung, Überwachung durch Vermittler und wachsenden KYC-Anforderungen. Als Alternative schlug sie eine breitere Nutzung sogenannter wiederverwendbarer digitaler Zugangsdaten (reusable digital credentials) vor, die bestimmte Sachverhalte über einen Kunden bestätigen könnten, ohne dass jede Institution die persönlichen Daten selbst erneut erfassen müsste.
Decrypt fasste ihr Argument als Aufruf zur Beendigung des KYC-"Panoptikums" zusammen. Laut dieser Quelle wies Peirce darauf hin, dass "Datenhaufen" bei regulierten Einrichtungen genau jene Menschen gefährden, die sie schützen sollen, weil jüngste Lecks von KYC-Daten Kryptoinhaber Phishing und sogar physischen Angriffen ausgesetzt haben. In diesem Zusammenhang werden auch Zero-Knowledge-Proofs erwähnt, also kryptografische Methoden, die es ermöglichen, etwas nachzuweisen, ohne die zugrunde liegenden Daten offenzulegen.
Warum spielt das bei Stablecoins eine Rolle?
CryptoSlate ordnet ihren Aufruf in den Kontext der geplanten Regeln für Stablecoins (Kryptowährungen, die an den Wert einer anderen Währung, typischerweise des Dollars, gebunden sind) ein. Das Argument lautet, dass neue Regulierungsvorschriften weitere Orte schaffen können, an denen sich persönliche Daten anhäufen, also weitere potenzielle Ziele für Lecks. Peirce wollte laut dieser Quelle diese Praxis eindämmen, bevor neue Regeln sie noch weiter ausweiten.
Was wir noch nicht wissen
Aus den verfügbaren Quellen geht nicht hervor, wer Peirce im Amt ersetzt oder wie ihr Ausscheiden konkret das Kräfteverhältnis bei Abstimmungen innerhalb der SEC verändern wird. Ebenso wenig ist aus diesen Quellen ersichtlich, welche weiteren Schritte die Behörde im Kryptobereich nach ihrem Ausscheiden plant. Anmerkung zum Datum: Während sowohl Cointelegraph als auch CoinDesk das Ausscheiden zum 2. Oktober angeben, ist das genaue Jahr über die Quellen hinweg nicht eindeutig bestätigt, weshalb wir es hier nicht als gesicherte Tatsache anführen.
Worauf man bei dieser Art von Nachrichten achten sollte
Personelle Veränderungen in Aufsichtsbehörden ändern für sich genommen keine geltenden Regeln. Zu beobachten ist: ob und durch wen die Kommissarin ersetzt wird, wie sich die Abstimmungsverhältnisse verändern und ob konkrete Vorschläge (etwa zu wiederverwendbaren digitalen Identitäten) von der SEC tatsächlich in verbindliche Regeln umgesetzt werden. Das zeigt sich erst an den formellen Schritten der Behörde, nicht an Reden.

