Was hat Hyperliquid angekündigt?
Hyperliquid hat am 19. Juli einen Upgrade-Vorschlag mit der Bezeichnung HIP-4 vorgestellt, der es externen Entwicklern (Deployern) ermöglichen würde, auf seiner Blockchain eigene Prognosemärkte zu starten. Ein Prognosemarkt ist eine Börse, an der Menschen auf den Ausgang eines künftigen Ereignisses (etwa Wahlen oder Makrodaten) wetten, und der Kurs eines Kontrakts entspricht ungefähr der Marktwahrscheinlichkeit des jeweiligen Ergebnisses.
Laut CryptoSlate und Cointelegraph gibt die Änderung den Anbietern die Kontrolle darüber, welche konkreten Fragen sie auf den Markt bringen und wie die jeweiligen Märkte abgewickelt werden (Settlement). Mit anderen Worten: Die Entscheidung darüber, was gehandelt werden kann, wandert vom zentralen Betreiber zu einzelnen Buildern.
CoinDesk gibt an, dass permissionless Prognosemärkte zunächst im Testnet und erst später im Mainnet (dem Hauptnetzwerk) verfügbar sein werden. Das ist das Standardvorgehen, um eine neue Funktion zuerst außerhalb des scharfen Betriebs zu testen.
Wie viel wird es die Anbieter kosten?
Der Kern von HIP-4 ist die finanzielle Hürde. Jeder potenzielle Deployer muss 500.000 HYPE-Token staken (den nativen Token von Hyperliquid). Staken bedeutet hier, Token als Sicherheit zu binden, mit der ein Verlustrisiko bei Fehlverhalten verbunden ist.
Die Dollar-Angabe dieses Betrags unterscheidet sich zwischen den Quellen leicht, je nach verwendetem Token-Kurs:
| Quelle | Angegebener Wert von 500.000 HYPE |
|---|---|
| CryptoSlate | rund 31,7 Millionen USD (Kurs vom Montag) |
| Cointelegraph | rund 30,4 Millionen USD |
Der Unterschied ergibt sich aus der Kursbewegung von HYPE, nicht aus einer unterschiedlichen Tokenzahl. Diese ist in beiden Fällen gleich: 500.000 HYPE.
Warum wird das als Herausforderung für Polymarket beschrieben?
Polymarket ist heute der bekannteste und volumenmäßig dominierende Prognosemarkt im Kryptobereich. CryptoSlate rahmt HIP-4 als Ausweitung des Wettbewerbsdrucks von Hyperliquid genau auf dieses Segment: Statt eines einzigen Kurators von Fragen könnten auf Hyperliquid mehrere unabhängige Anbieter Märkte auflegen.
Das Modell ist damit ein anderes. Polymarket funktioniert als eine einzige Plattform, während Hyperliquid eine Infrastruktur anbietet, auf der Märkte von jedem gebaut werden können, der den geforderten Stake hinterlegt. Die hohe Kapitalschwelle wirkt dabei als Filter gegen Spam und Missbrauch, denn minderwertiges oder manipulatives Verhalten gefährdet die eigene Einlage des Anbieters.
Was ist bisher unklar?
Man muss den angekündigten Plan von der Realität trennen. HIP-4 ist im Moment ein Vorschlag, keine ausgerollte und erprobte Funktion.
Aus den verfügbaren Quellen geht weder ein genaues Startdatum im Mainnet hervor, noch konkrete Regeln für die Abwicklung strittiger Märkte, noch wie genau das Risiko gelöst wird, dass ein Anbieter eine Frage mehrdeutig formuliert. Ebenso ist aus diesen Quellen nicht belegt, welches Handelsvolumen oder wie viele Anbieter Hyperliquid von der Änderung erwartet. Wir haben auch keine überprüften Daten zur Auswirkung auf Polymarket.
Auf welche Zahlen man bei dieser Art von Ereignis achten sollte
Bei ähnlichen Infrastruktur-Upgrades lässt sich ohne Kursspekulationen auf überprüfbare Metriken blicken: wie viele Deployer tatsächlich einen Stake hinterlegen, welches Volumen auf den neuen Märkten gehandelt wird, wie viele Märkte in einem Streit über die Abwicklung enden und ob das System nach dem Übergang vom Testnet ins Mainnet stabil bleibt. Das sind die Belege, die sich später gegen das prüfen lassen, was Hyperliquid heute verspricht.

