Was ist passiert?
Die US-Bank JPMorgan Chase erweitert ihren Einlagentoken JPM Coin auf das öffentliche Ethereum-Netzwerk und bietet ihn einem breiteren Kreis institutioneller Kunden an. Als Erster berichtete Bloomberg darüber, worauf sich CoinDesk, Cointelegraph, The Block sowie das polnische Incrypted berufen.
JPM Coin ist ein sogenannter Einlagentoken (deposit token), also eine digitale Repräsentation von bei der Bank geführten Einlagen in US-Dollar. Laut der von Incrypted zitierten Ankündigung ermöglicht er es Kunden, Gelder innerhalb weniger Sekunden zu senden und zu empfangen, rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag.
Worin unterscheidet sich das vom bisherigen Betrieb?
JPM Coin ist kein neues Produkt. Bisher funktionierte er in einer geschlossenen, von der Bank kontrollierten Umgebung. Neu ist der Wechsel auf das öffentliche Ethereum, wo der Token für die Transaktionsabwicklung zugänglicher wird.
Laut The Block unterstützt der Token neuerdings Peer-to-Peer-Überweisungen innerhalb des Ökosystems der Ethereum Virtual Machine (EVM), und zwar einschließlich des Base-Netzwerks. Das bedeutet, dass sich Gelder direkt zwischen den Teilnehmern bewegen lassen, ohne einen Vermittler innerhalb des Netzwerks einzubeziehen.
Was ist ein Einlagentoken?
Ein Einlagentoken ist eine tokenisierte Form einer Bankeinlage. Im Unterschied zu Stablecoins, die von privaten Emittenten ausgegeben und durch Reserven gedeckt werden, stellt ein Einlagentoken unmittelbar eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kunden dar. Für institutionelle Kunden ist es eine Möglichkeit, Dollar auf der Blockchain zu bewegen, ohne das Bankensystem zu verlassen.
Für wen ist das gedacht und warum?
Laut Incrypted rechnet die Bank mit Nachfrage von Krypto-Firmen und Finanzinstituten, die digitales Geld für die Abwicklung und zur Absicherung von Operationen mit tokenisierten Vermögenswerten benötigen. Cointelegraph gibt an, dass institutionelle Kunden den Token für Zahlungen und zur Abwicklung von Transaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten nutzen sollen.
CoinDesk fasst die Motivation der Bank einfach zusammen: JPMorgan will den Token einem breiteren Kreis institutioneller Kunden anbieten als bisher.
Was ist bislang nicht bekannt?
Die öffentlich verfügbaren Quellen nennen weder ein genaues Startdatum noch konkrete Transaktionslimits oder welche Kunden als Erste Zugang zum Token erhalten. Ebenso wenig geht aus den verfügbaren Quellen hervor, welches Einlagenvolumen JPMorgan über den Token abzuwickeln plant, noch welche konkreten Smart Contracts eingesetzt werden.
Alle vier Quellen gehen auf die Berichterstattung von Bloomberg zurück. Es handelt sich also um eine primäre Meldung, die von mehreren Medien übernommen wurde, nicht um mehrere unabhängige Bestätigungen mit abweichenden Details.
Worauf man bei ähnlichen Schritten achten sollte
Beim Wechsel von Bankprodukten auf öffentliche Blockchains empfiehlt es sich, auf drei Dinge zu achten: ob die Bank technische Dokumentation oder Contract-Adressen veröffentlicht, wie hoch das tatsächliche Transaktionsvolumen nach dem Start ist und wie Regulierungsbehörden auf solche Einlagentoken reagieren. Diese Punkte erlauben es, später zu überprüfen, inwieweit die Ankündigung in den realen Betrieb übergegangen ist.

