Was ist passiert?
Switchboard, ein Orakel-Anbieter (also ein Dienst, der DeFi-Anwendungen die Preise von Vermögenswerten aus der Außenwelt liefert), hat mitgeteilt, dass seine Contributor die Deployments auf vier Netzwerken pausiert haben: Aptos, Sui, IOTA und Movement. Grund dafür sind laut dem Unternehmen Meldungen über eine mögliche Kompromittierung seines Orakels in den in der Sprache Move geschriebenen Implementierungen. Darüber berichtete CryptoSlate.
Für Lending- und Derivateprotokolle ist ein Orakel eine kritische Infrastruktur. Liefert es einen fehlerhaften oder manipulierten Preis, können darauf aufbauende Protokolle Positionen falsch abwickeln, Liquidationen auslösen oder Auszahlungen blockieren, um weitere Verluste zu verhindern.
Welche Anwendungen sind betroffen?
Laut CryptoSlate haben mindestens drei Anwendungen entweder Verluste, das Einfrieren von Mitteln oder eine vorsorgliche Zugangsbeschränkung gemeldet. Switchboard hat den Nutzern empfohlen, vorübergehend auf alternative Quellen für Preisdaten umzusteigen.
Die konkreten Namen aller betroffenen Protokolle, der genaue Umfang der Verluste und der gesamte gesperrte Wert wurden in der verfügbaren Quelle nicht eindeutig beziffert. Diese Angaben führen wir daher vorerst als unbekannt.
Betrifft es auch Solana?
Laut CryptoSlate hat Switchboard angegeben, zu vergleichbaren Problemen bei seiner Implementierung auf Solana bislang keinerlei Meldungen erhalten zu haben. Das bedeutet aber keine Bestätigung, dass Solana sicher ist; es handelt sich um den Meldestand zum jeweiligen Zeitpunkt, nicht um das Ergebnis eines Audits.
Was wissen wir bislang nicht?
Dies ist der Punkt, an dem Ehrlichkeit wichtiger ist als Schnelligkeit. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels hat Switchboard laut CryptoSlate Folgendes nicht veröffentlicht:
- die Grundursache des Vorfalls (also wie genau es zur Kompromittierung kam),
- den Zeitplan für die Wiederherstellung der vier Deployments auf den Move-Netzwerken,
- eine vollständige und verifizierte Liste der betroffenen Anwendungen sowie die genaue Schadenshöhe.
Der Name des Vorfalls verweist auf die "Move"-Implementierungen, also die Ebene, die Aptos, Sui, IOTA und Movement gemeinsam haben. Ob es sich um einen Fehler im Orakel-Code selbst, um eine Kompromittierung der Schlüssel der Contributor oder um etwas anderes handelte, geht aus der verfügbaren Quelle nicht hervor.
Warum die Art des Vorfalls wichtiger ist als das Einzelereignis
Charliedesk gibt keine Ratschläge, was zu tun ist. Wir beschreiben, was passiert ist und worauf man bei ähnlichen Situationen achten sollte.
Bei Orakel-Vorfällen sind meist drei Dinge der entscheidende Indikator: (1) ob das Team eine überprüfbare Grundursache veröffentlicht, (2) ob die betroffenen Protokolle Auszahlungen wieder aufnehmen oder eingefroren bleiben, und (3) ob sich bestätigt, dass es sich um ein isoliertes Problem einer einzelnen Implementierung oder um eine systemische Schwachstelle der gemeinsam genutzten Ebene handelt. Der Unterschied zwischen "vorsorglich pausiert" und "Mittel unwiederbringlich verloren" ist grundlegend und ist derzeit bei einem Teil der Anwendungen nicht klar.
Wie sich dieser Artikel später überprüfen lässt
Der Artikel führt sein Ergebnis selbst nach. Die folgenden Punkte werden im Laufe der Zeit anhand offizieller Stellungnahmen von Switchboard und der betroffenen Protokolle überprüfbar sein:
| Frage | Stand heute |
|---|---|
| Grundursache veröffentlicht? | Nein |
| Deployments auf Aptos, Sui, IOTA, Movement wiederhergestellt? | Nein |
| Bestätigter Umfang der Verluste? | Unbekannt |
| Meldungen zur Implementierung auf Solana? | Bislang keine |
Sobald Switchboard oder die betroffenen Protokolle ein Post-mortem veröffentlichen, ergänzen wir die Fakten und vergleichen sie mit dem, was heute bekannt war.

