Was ist passiert?
Die Robinhood Chain, ein Blockchain vom Typ Ethereum Layer 2 (eine Ebene über Ethereum, die Transaktionen beschleunigt und verbilligt), verzeichnete einen sprunghaften Anstieg der Aktivität auf dezentralen Börsen (DEX, Marktplätze ohne zentralen Vermittler).
Laut Decrypt sprang das Handelsvolumen auf den DEXen auf rund 1,6 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 61 Prozent innerhalb weniger Tage entspricht. Das Portal gibt zugleich an, dass sich die DeFi-Einlagen und die gehaltenen Stablecoins (Kryptowährungen, die an den Kurs einer gängigen Währung gebunden sind) im Netzwerk der Marke von 800 Millionen Dollar näherten.
The Defiant beschreibt, dass die Chain beim 24-Stunden-Volumen mehr Handel abwickelte als Ethereum, BNB Chain und Base und sich unter allen Netzwerken auf dem zweiten Platz einordnete, direkt hinter Solana.
Wie hoch war das Volumen genau?
Hier ist Vorsicht angebracht. Die einzelnen Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, weil sie zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Zeitfenstern messen.
| Quelle | Angegebenes Volumen | Kontext |
|---|---|---|
| Decrypt | ~1,6 Mrd. USD | Anstieg um 61 % in wenigen Tagen |
| The Defiant | 1,49 Mrd. USD | in den letzten 24 Stunden |
| BitHub.pl | fast 1 Mrd. USD | Wert für einen konkreten Freitag |
Die Unterschiede stehen also nicht zwangsläufig im Widerspruch, es handelt sich eher um Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Zeiten. Eine exakte einheitliche Methodik über alle Quellen hinweg können wir nicht bestätigen.
Was treibt das Wachstum? Nicht das, wofür das Netzwerk entstand
Die Robinhood Chain wurde laut BitHub.pl am 1. Juli als Infrastruktur unter anderem für tokenisierte Aktien (Aktien, die in einen Blockchain-Token überführt werden) gestartet. In der Praxis wird sie derselben Quelle zufolge aber vor allem von Memecoins und spekulativen Anwendungen angetrieben.
BitHub.pl gibt weiter an, dass der TVL (Total Value Locked, der gesamte in den Protokollen des Netzwerks gebundene Wert der Assets) auf über 740 Millionen Dollar gestiegen ist und sich innerhalb eines Monats fast verdoppelt hat.
The Defiant ergänzt ein wichtiges Detail dazu, wohin das Geld fließt: Die auf dem Netzwerk laufenden Launchpads (Plattformen zum Starten neuer Token) haben demnach fast 70 Prozent aller an Launchpads gezahlten Gebühren im gesamten Kryptobereich für sich beansprucht. Davon soll laut The Defiant die Plattform Pons zwei Drittel der Launchpad-Gebühren eingenommen haben.
Warum spielen Kreditkarten hier eine Rolle?
Eine eigenständige, aber verwandte Geschichte lieferte The Block. Nach dessen Test scheinen Käufe von Memecoins über die Robinhood Wallet und die App Fomo die Regeln der Kartennetzwerke für Krypto zu umgehen.
The Block beschreibt, dass die Testkäufe von Memecoins im System als "digital media" (digitale Medien) kodiert waren, nicht als Krypto. Dadurch erhielten die Nutzer dem Test zufolge dafür Treuepunkte auf die Kreditkarte, obwohl Kartennetzwerke Krypto-Käufe üblicherweise einschränken.
Ob es sich dabei um Absicht, einen Fehler in der Kodierung der Transaktionen oder einen vorübergehenden Zustand handelt, geht aus den verfügbaren Quellen nicht hervor. Ebenso wenig kennen wir die Reaktion der Kartennetzwerke oder von Robinhood.
Worauf man bei ähnlichen Fällen achten sollte
Das ist keine Empfehlung, irgendetwas zu kaufen oder zu verkaufen. Es ist eine Beschreibung dessen, was passiert ist, sowie einige Punkte, die man bei solchen schnellen Volumenanstiegen üblicherweise überprüfen sollte:
- Nachhaltigkeit des Volumens. Sprünge um zweistellige Prozentwerte in wenigen Tagen hängen oft mit einer einzigen Art von Aktivität zusammen (hier Launchpads und Memecoins). Die Frage ist, ob das Volumen bestehen bleibt, wenn die spekulative Welle abklingt.
- Konzentration. Wenn eine einzige Plattform (laut The Defiant Pons) den Großteil der Gebühren einnimmt, ist die Aktivität stark von wenigen Akteuren abhängig.
- Regelkonformität. Sollten sich die Erkenntnisse von The Block zur Kodierung der Käufe als "digital media" bestätigen, bleibt die Frage offen, wie die Kartennetzwerke reagieren.
- Diskrepanz zwischen Absicht und Realität. Ein für tokenisierte Aktien gebautes Netzwerk lebt laut Quellen bislang von Memecoins.
Was unklar bleibt
Aus den genannten Quellen ist uns nicht bestätigt, wie lange das erhöhte Volumen anhält, welchen Anteil der Aktivität tatsächlich tokenisierte Aktien ausmachen und wie die Kartennetzwerke oder Regulierer auf die beschriebene Umgehung der Kartenregeln reagieren. Diese Punkte lassen wir bewusst offen.

