Was ist passiert?
Payward, das Unternehmen, das die Kryptowährungsbörse Kraken betreibt, hat eine Partnerschaft mit der Singapore Gulf Bank (SGB) für eine Plattform zur Abwicklung digitaler Vermögenswerte angekündigt. Ziel ist eine durchgehende Abwicklung von Transaktionen in US-Dollar, also auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten traditioneller Banken. Die Information brachten die Portale CoinDesk und Cointelegraph.
Unter Abwicklung versteht man hier den endgültigen Abschluss einer Transaktion, bei dem beide Seiten tatsächlich Geld und Vermögenswerte austauschen. Im klassischen Bankwesen ist die Dollar-Abwicklung an Werktage und Geschäftszeiten gebunden. Der Kryptomarkt läuft jedoch 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, und genau diese Lücke soll der Dienst laut beiden Quellen schließen.
Für wen ist der Dienst bestimmt?
Laut CoinDesk und Cointelegraph startet die Plattform zunächst für ausgewählte institutionelle Kunden in zwei Regionen: in Asien und im Bereich des Persischen Golfs. Es handelt sich also nicht um ein Retail-Angebot, sondern um eine Infrastruktur für Firmen- und institutionelle Gegenparteien.
Cointelegraph gibt an, dass die Transaktionen über ein als SGB Net bezeichnetes System der Bank ablaufen sollen, das eine sofortige Abwicklung in Dollar ermöglichen soll.
Was bedeutet das im weiteren Kontext?
Dies ist nicht das einzige Signal, dass Payward versucht, sich mit der traditionellen Finanzinfrastruktur zu verbinden. Das Portal CryptoSvet.cz berichtete am 30. September, dass auch die US-Bank BNY mit Payward über eine breit angelegte Partnerschaft im Bereich digitaler Vermögenswerte verhandelt. Laut zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen, auf die sich der Text beruft, könnte eine mögliche Vereinbarung Kryptoprodukte, die Verwahrung von Vermögenswerten (Custody), Vermögensverwaltung, Handel, Zahlungen sowie Infrastruktur abdecken, die über die Plattform Payward Services bereitgestellt wird, die für Banken, Börsen und Verwaltungsgesellschaften bestimmt ist. Beide Firmen wollten sich der Quelle zufolge nicht dazu äußern.
Eine wichtige Unterscheidung: Die Partnerschaft mit der Singapore Gulf Bank ist angekündigt und bestätigt. Die Verhandlungen mit BNY befinden sich bislang in einer Phase, die anonyme Quellen beschreiben, und keine der Seiten hat sie offiziell bestätigt. Es handelt sich um zwei verschiedene Grade an Gewissheit.
Was wissen wir noch nicht?
Öffentlich zugängliche Quellen nennen eine Reihe wichtiger Details nicht:
- das genaue Datum des vollständigen Starts des Dienstes,
- die Namen konkreter institutioneller Kunden,
- die Volumina, die die Plattform verarbeiten wird, und die Gebührenstruktur,
- technische Details dazu, wie SGB Net die Abwicklung genau durchführt,
- ob und wie die Partnerschaft mit SGB mit einer möglichen Vereinbarung mit BNY zusammenhängt.
Worauf man bei dieser Art von Nachrichten achten sollte
Bei Ankündigungen über eine neue Finanzinfrastruktur ist es sinnvoll, drei Dinge zu beobachten: ob auf die Ankündigung ein bestätigter Start mit konkreten Kunden folgt, ob reale Volumina veröffentlicht werden (nicht nur eine Pressemitteilung) und ob die Regulierungsbehörden in den jeweiligen Rechtsordnungen den Dienst akzeptieren. Bis dahin handelt es sich um eine angekündigte Absicht, nicht um ein nachgewiesenes operatives Ergebnis.
Am Rande: Der Betrieb von Kraken läuft weiterhin wie gewohnt. Die Statusseite der Börse meldete zum Beispiel eine geplante Wartung der Schnittstelle Kraken Prime (REST, WebSocket und FIX API) am 3. Oktober zwischen 07:00 und 08:00 UTC, ohne Handelsausfall. Das hängt mit der Partnerschaft nicht direkt zusammen, es veranschaulicht nur, dass die institutionelle Infrastruktur von Kraken ein lebendiger Betrieb ist.

