Was ist passiert?
Das Unternehmen Poolin Technology, einst einer der größten Bitcoin-Mining-Pools der Welt, hat einen Antrag auf Reorganisation nach dem US-amerikanischen Chapter 11 gestellt, also ein gerichtlich geführtes Verfahren, das dem Unternehmen ermöglichen soll, seine Schulden zu ordnen und sein Vermögen zu verkaufen. Darüber berichteten Decrypt, CryptoSlate, CoinDesk und The Block.
Ein Mining-Pool ist ein Dienst, der die Rechenleistung vieler Miner bündelt, um gemeinsam Blöcke zu schürfen und sich die Belohnungen zu teilen. Poolin kontrollierte laut CoinDesk einst fast ein Fünftel der weltweiten Bitcoin-Hashrate (der gesamten Mining-Leistung des Netzwerks). Das machte den Pool zu seiner Zeit zu einem der Branchenführer.
Wie viel schuldet Poolin und wem?
Hier weichen die Zahlen in den Quellen voneinander ab, was für sich genommen schon wichtig ist.
| Quelle | Angegebenes Volumen der Verbindlichkeiten | Zahl der Nutzer |
|---|---|---|
| Decrypt | Schuldscheine (IOU) an Nutzer | 11.700 |
| CryptoSlate | 163,7 Millionen USD an IOU | 11.700 |
| CoinDesk | 173 Millionen USD | keine Angabe |
| The Block | 173 Millionen USD an Forderungen | keine Angabe |
Ein IOU (vom englischen "I owe you") ist in diesem Kontext ein Vermerk darüber, dass das Unternehmen einem Nutzer Mittel schuldet, die dieser nicht abheben konnte. Der Unterschied zwischen den Beträgen (rund 164 gegenüber 173 Millionen) könnte verschiedene Kategorien von Forderungen widerspiegeln, etwa Verbindlichkeiten gegenüber Wallet-Nutzern gegenüber den gesamten im Insolvenzverfahren angemeldeten Forderungen. Eine eindeutige Erklärung für den Unterschied lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht ableiten.
Woher kamen die Probleme?
Laut Decrypt hat sich Poolin nie von dem Moment im Jahr 2022 erholt, als das Unternehmen Auszahlungen einfror. Seitdem halten die Nutzer Forderungen, die sie nicht in Bargeld umwandeln konnten. Der Insolvenzantrag ist somit eher das Nachspiel eines mehrere Jahre andauernden Problems als ein plötzlicher Kollaps.
Was wird verkauft und für wie viel?
Der Kern der Reorganisation ist der Verkauf der texanischen Mining-Assets. Laut The Block hat Poolin ein sogenanntes Stalking-Horse-Gebot in Höhe von 52 Millionen Dollar vorbereitet. Ein Stalking-Horse-Bid ist ein erstes, im Voraus vereinbartes Gebot, das einen Mindestpreis (Untergrenze) für die nachfolgende Auktion festlegt. Weitere Interessenten können dann höher bieten.
CryptoSlate weist auf ein entscheidendes Detail hin: Die Eröffnungsgebote von rund 52 Millionen Dollar entsprechen etwa 31,8 Prozent des IOU-Volumens, betreffen aber Vermögenswerte, die von texanischen Tochtergesellschaften gehalten werden (laut Quelle unter dem Namen Lonestar), nicht das Bargeld im Wallet-Geschäft von Poolin Technology. Mit anderen Worten: 31,8 Prozent sind nicht dasselbe wie die Befriedigungsquote der Gläubiger.
Wer an der Auktion teilnehmen wird, ist ungewiss. CryptoSlate deutet an, dass an den texanischen Arealen sowohl Krypto-Miner als auch Betreiber von Rechenzentren für künstliche Intelligenz interessiert sein könnten, ein Trend, der in den letzten Jahren nach billiger Energie und fertiger Infrastruktur drängt. Das ist aber eine Schätzung über mögliche Interessenten, kein bestätigter Fakt.
Wie viel erhalten die geschädigten Nutzer?
Die ehrliche Antwort: Das weiß bislang niemand. CryptoSlate schreibt ausdrücklich, dass es keine verlässliche Schätzung der Befriedigungsquote der Gläubiger gibt, solange die finalen Verkaufspreise, Pfandrechte (Liens), die Verteilung zwischen den einzelnen Teilen der Insolvenzmasse, die Verfahrenskosten und die anerkannten Forderungen nicht geklärt sind.
Nehmen Sie die Zahl von 52 Millionen Dollar daher als Untergrenze für die Auktion konkreter Vermögenswerte, nicht als das, was am Ende in den Händen der 11.700 Gläubiger landet.
Worauf man bei ähnlichen Fällen achten sollte?
Dies ist kein Ratschlag, was zu tun ist, sondern eine Orientierung, wie man weitere Meldungen über ähnliche Insolvenzen liest:
- Unterscheiden Sie das Forderungsvolumen von der erwarteten Verwertungsquote. Ein hohes Eröffnungsgebot für Vermögenswerte bedeutet nicht, dass die Gläubiger denselben Prozentsatz erhalten.
- Beobachten Sie vorrangige Forderungen. Pfandrechte, besicherte Gläubiger und Verfahrenskosten werden in der Regel vor den gewöhnlichen Nutzern befriedigt.
- Achten Sie darauf, wessen Vermögen verkauft wird. Der Unterschied zwischen der Muttergesellschaft und ihren Tochtergesellschaften (hier Poolin Technology gegenüber den texanischen Einheiten) entscheidet darüber, wem der Erlös zufällt.
charliedesk wird das Ergebnis der Auktion und die etwaige Befriedigungsquote der Gläubiger verfolgen und ergänzen, sobald offizielle Zahlen bekannt sind.

