Was genau ist passiert?
Revolut hat mit der schrittweisen Einführung von EURR begonnen, seinem ersten an den Euro gebundenen Stablecoin, direkt in der App. Laut den Portalen The Defiant und Decrypt handelt es sich vorerst um einen begrenzten Start für ausgewählte Kunden in drei Ländern: Dänemark, Polen und Portugal.
Ein Stablecoin ist eine Art Kryptowert, dessen Wert an einen anderen Wert gebunden ist, in diesem Fall an den Euro. EURR soll also die Parität von 1 EUR halten.
Was diese Nachricht von einem gewöhnlichen Produktstart unterscheidet, ist nicht der Token selbst, sondern seine rechtliche Konstruktion.
Wer gibt EURR tatsächlich aus?
Hier liegt der Kern der ganzen Geschichte. Obwohl der Token die Marke Revolut trägt, wird er formal nicht von der Neobank selbst emittiert.
Emittent, also die rechtlich verantwortliche Instanz, und zugleich Gegenpartei für den Rückkauf ist laut The Defiant die luxemburgische Gesellschaft Bridge Building S.A. Laut Decrypt und CrypS.pl handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des Zahlungsgiganten Stripe, die auch die den Token deckenden Reserven hält.
Mit anderen Worten: Revolut liefert Vertrieb und Schnittstelle (App und Kunden), während Emission, Reserven und Rückkauf von einer Einheit aus der Stripe-Gruppe übernommen werden. Bridge war eine Plattform zur Ausgabe von Stablecoins, die Stripe übernommen hat.
| Rolle | Instanz |
|---|---|
| Marke und Vertrieb | Revolut |
| Rechtlicher Emittent und Rückkauf | Bridge Building S.A. |
| Halter der Reserven | Tochtergesellschaft von Stripe in Luxemburg |
Wie sieht es mit der Regulierung aus?
Laut Incrypted steht EURR vollständig im Einklang mit der Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCA), dem europäischen Rahmen für Kryptowerte. Konkret ist er als E-Geld-Token (e-money token, EMT) registriert, was unter MiCA die Kategorie der an eine einzelne Währung gebundenen Stablecoins ist.
Die Registrierung als EMT ist wesentlich: Sie bedeutet, dass der Token unter die Regeln für Reserven und Rückkauf fällt, die MiCA für diese Kategorie festlegt.
Warum gerade jetzt und warum Polen?
Das polnische Portal CrypS.pl weist auf den zeitlichen Zusammenhang hin: Der Start von EURR erfolgt in dem Moment, in dem laut dieser Quelle innerhalb weniger Tage der Token USDT (Tether) vollständig aus der europäischen Version der Revolut-App verschwindet.
Achtung: Dass es sich um zwei zeitlich nahe beieinanderliegende Ereignisse handelt, ist eine Tatsache. Dass das eine das andere direkt verursacht hat, belegen die Quellen nicht eindeutig. Der Kontext ergibt jedoch Sinn, europäische Plattformen passen ihr Stablecoin-Angebot schrittweise an die Anforderungen von MiCA an. Den Zusammenhang bewerten wir daher als wahrscheinlich, nicht als bewiesen.
Was kommt als Nächstes?
Revolut plant laut CrypS.pl einen breiteren Einsatz im Europäischen Wirtschaftsraum noch im Laufe des Jahres 2026. Incrypted gibt zudem an, dass die Neobank für die Zukunft auch weitere Stablecoins in Betracht zieht.
Was wir bislang nicht wissen
Die veröffentlichten Informationen enthalten eine Reihe von Details, die bei Stablecoins wesentlich sind, nicht:
- Die genaue Zusammensetzung der EURR deckenden Reserven und wo sie hinterlegt sind (über die Tatsache hinaus, dass sie von einer Einheit der Stripe-Gruppe gehalten werden).
- Auf welchem Blockchain-Netzwerk oder welchen Netzwerken EURR läuft.
- Die konkreten Bedingungen, Gebühren und Limits für den Rückkauf durch Endnutzer.
- Das genaue Datum des breiteren Starts im EWR und die vollständige Länderliste.
Worauf man bei dieser Art von Nachrichten achten sollte
Bei von Fintechs ausgegebenen Stablecoins ist es gut zu unterscheiden, wer die Verantwortung trägt. Die Marke auf dem Token (Revolut) muss nicht mit dem Emittenten (Bridge Building S.A.) identisch sein. Für die Beurteilung der Sicherheit sind gerade der Emittent, die Struktur der Reserven und die Frage entscheidend, ob und wie der Rückkauf zum Nennwert funktioniert. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, nur eine Landkarte dessen, was man bei einem solchen Produkt beobachten sollte.

