Was ist genau passiert?
Strategy, das früher als MicroStrategy bekannte Treasury-Unternehmen, hat für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 8,22 Milliarden Dollar gemeldet. Vor einem Jahr wies das Unternehmen im selben Zeitraum noch einen Gewinn von 10,02 Milliarden Dollar aus. Das geht aus Berichten von CryptoSlate und The Block hervor.
Fast die gesamte Wende geht auf einen einzigen Posten zurück: Verluste von 8,32 Milliarden Dollar auf digitale Vermögenswerte. Anders gesagt handelt es sich in erster Linie um die Neubewertung der Bitcoin-Position und nicht um einen Einbruch des operativen Geschäfts.
Bitcoin (BTC) lag laut The Block am Ende des zweiten Quartals rund 40 % niedriger als am Ende des Vorjahres. Das ist der Kern des gesamten Verlusts, denn Strategy hält einen großen Teil seines Werts eben in BTC.
Warum bedeutet der Verlust nicht, dass das Unternehmen Bitcoin im großen Stil verkauft hat?
Hier muss man zwei Dinge trennen. Der Großteil des ausgewiesenen Verlusts ist nicht realisiert, also eine buchhalterische Neubewertung der gehaltenen Bitcoins zum aktuellen Marktpreis. Das ist nicht dasselbe wie ein tatsächlicher Verkauf.
Interessant ist dabei, dass die Bitcoin-Bestände des Unternehmens im Laufe des Quartals laut The Block um 11 % gestiegen sind. Der buchhalterische Verlust aus der Neubewertung und der Zuwachs an gehaltenen Coins können also nebeneinander bestehen: Der Preis ist gefallen, aber die Menge der Coins hat zugenommen.
Cointelegraph berichtet zugleich, dass Strategy eine Barreserve von 3,75 Milliarden Dollar aufgebaut hat, um die Auszahlungen der Vorzugsaktien zu stützen, und zwar nach dem Start seines Bitcoin-Monetarisierungsprogramms. Genau diese Reserve ist der Schlüssel, um zu verstehen, womit sich Saylor jetzt beschäftigt.
Was ist STRC und warum ist der September wichtig?
STRC ist eine Vorzugsaktie von Strategy, also ein Instrument, das es dem Unternehmen erlaubt, Kapital zu beschaffen, und den Inhabern zugleich regelmäßige Auszahlungen (Dividende) verspricht. Dieser Kanal ist Teil der Finanzierung, auf der das ehrgeizige Ziel des Unternehmens ruht: Laut CryptoSlate will Strategy innerhalb von sieben Jahren die Menge an Bitcoin je MSTR-Aktie verdoppeln.
Das Problem ist, dass dieser Finanzierungsmotor dem Bericht zufolge stockt. CryptoSlate beschreibt, dass sich Strategy ein Ziel bis September gesetzt hat, um STRC zu beleben und die Finanzierung hinter der Bitcoin-Strategie wieder anzukurbeln.
Kurz gesagt: Das Unternehmen braucht, dass das Instrument zur Kapitalbeschaffung funktioniert, denn daraus finanziert es sowohl die Bitcoin-Käufe als auch die Auszahlungen an die Investoren der Vorzugsaktien.
Wie passt das in den breiteren Markt?
Strategy ist nicht das einzige kryptonahe Unternehmen, das in dieser Berichtsperiode schwächere Zahlen gezeigt hat. Decrypt erwähnt in seiner Marktübersicht, dass auch Coinbase einen überraschenden Verlust ausgewiesen hat, weil die Handelsaktivität nachließ, und dass Bitcoin am Morgen in den roten Zahlen lag, trotz eines Zuflusses von 233 Millionen Dollar in ETFs am Vortag.
Das deutet auf ein Umfeld schwächerer Preise und schwächeren Handels hin, in dem Unternehmen mit hoher BTC-Exposition unter Druck geraten. Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen belegen die Quellen aber nicht, es handelt sich eher um den Kontext derselben Marktperiode.
Was bleibt ungewiss?
Die Quellen beschreiben einen Plan und ein Ziel, nicht das Ergebnis. Es ist nicht bestätigt, ob es tatsächlich gelingt, STRC bis September zu beleben, noch wie ein eventueller Bitcoin-Verkauf genau aussehen würde, sollte das Unternehmen wegen der Auszahlungen dazu greifen.
Leser sollten auf drei Dinge achten, die sich später überprüfen lassen: ob Strategy STRC bis September tatsächlich in Gang bringt, wie sich die für die Auszahlungen bestimmte Barreserve von 3,75 Milliarden Dollar entwickelt, und ob die Menge der gehaltenen Bitcoins weiter wächst oder zu sinken beginnt. Das sind konkrete, messbare Punkte, an denen sich zeigen wird, ob der Plan funktioniert.
Dies ist keine Anlageempfehlung. Es ist eine Beschreibung dessen, was das Unternehmen ausgewiesen und was es sich selbst vorgenommen hat.

