Was ist passiert?
Strive, ein Unternehmen, das seine Bilanz rund um Bitcoin aufbaut (eine sogenannte Treasury-Gesellschaft, also eine Firma, die Kryptowährung als Hauptvermögenswert hält), hat innerhalb einer Woche fast eine Million neue Vorzugsaktien der Reihe SATA ausgegeben. Laut einer Berechnung von CryptoSlate auf Basis der Unternehmensoffenlegung vom 8. September hat Strive damit fast 12 Millionen Dollar zur jährlichen Verpflichtung für Vorzugsdividenden hinzugefügt.
Vorzugsaktien (preferred shares) sind eine Art Wertpapier, das ihrem Inhaber eine regelmäßige Auszahlung (Dividende) mit Vorrang vor gewöhnlichen Aktionären zusagt. Konkret ist SATA laut CryptoSlate eine variabel verzinste ewige (perpetuelle) Vorzugsaktie: Sie hat kein Fälligkeitsdatum, und jede weitere ausgegebene Aktie erhöht die geschätzte wiederkehrende Auszahlungsverpflichtung beim aktuellen Satz von 13 %.
Wie viel kostet das das Unternehmen pro Jahr?
Laut Berechnung von CryptoSlate impliziert die breitere Aktienbasis beim aktuellen Satz jährliche Ausschüttungen von rund 130 Millionen Dollar. Es handelt sich um eine Schätzung, die aus der Aktienzahl und dem aktuellen Dividendensatz abgeleitet ist, nicht um offiziell bezifferte, vom Unternehmen veröffentlichte Kosten.
CryptoSlate weist zugleich darauf hin, dass das höhere Bargeldvolumen die sogenannte reine Bargelddeckung (cash-only coverage), also die Fähigkeit, die Dividenden allein aus Bargeld zu decken, praktisch unverändert ließ.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Anstieg der jährlichen Dividendenverpflichtung binnen einer Woche | ~12 Mio. USD | CryptoSlate (Berechnung) |
| Implizierte jährliche Ausschüttungen | ~130 Mio. USD | CryptoSlate (Berechnung) |
| Aktueller Dividendensatz SATA | 13 % | CryptoSlate |
| Gekaufte BTC (31.8. bis 4.9.) | 1.375 BTC | CryptoSlate, The Block |
Woher kam das Geld für den Bitcoin-Kauf?
Strive kaufte in der betrachteten Woche, also vom 31.8. bis 4.9., 1.375 Bitcoin. Laut The Block gab Geschäftsführer Matt Cole an, dass 70 % des in dieser Woche eingeworbenen Kapitals aus dem Verkauf eben jener Vorzugsaktien SATA stammten. The Block schreibt zudem, dass sich SATA einer Marke nähert, die es als "Milliardenmarke" bezeichnet.
Mit anderen Worten: Das Unternehmen finanziert seine Bitcoin-Käufe zu einem großen Teil dadurch, dass es Wertpapiere mit einer Verpflichtung zu regelmäßiger Auszahlung ausgibt. Das ist der Kern der ganzen Geschichte. Jede neue Emission fügt Bitcoin auf der einen Seite der Bilanz hinzu und erhöht zugleich die wiederkehrende Dividendenverpflichtung auf der anderen Seite.
Wie passt das in den größeren Trend?
Strive ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Bilanz rund um Kryptoassets aufbaut. Laut The Defiant hat etwa BitMine Immersion Technologies in der vergangenen Woche 28.086 ETH hinzugefügt, womit sein Treasury auf 5.929.198 ETH stieg und sich dem Ziel näherte, 5 % des Ethereum-Angebots zu halten. The Defiant bewertete die Gesamtposition auf rund 14,79 Milliarden Dollar, und zwar zum Coinbase-Referenzpreis von 2.495 Dollar pro ETH zum genannten Zeitpunkt (5.929.198 ETH × 2.495 USD ≈ 14,79 Mrd. USD, die Rechnung stimmt also). Sowohl den Preis selbst als auch das Ziel von 5 % des Angebots nennt The Defiant. Es handelt sich um einen anderen Vermögenswert (Ethereum statt Bitcoin) und um eine andere Finanzierungsstruktur, aber es illustriert dasselbe Muster: Börsennotierte Firmen häufen Kryptoassets an.
Was bislang nicht bekannt ist
Aus den verfügbaren Quellen kennen wir nicht den genauen durchschnittlichen Kaufpreis für diese 1.375 BTC (die Angabe von CryptoSlate ist in der Vorlage abgeschnitten). Wir haben auch keine offizielle Unternehmensbezifferung der gesamten Dividendenkosten und keine detaillierte Aufschlüsselung, wie lange der Satz bei 13 % bleibt, da es sich um ein variabel verzinstes Instrument handelt. Die Angaben zum Anstieg der Verpflichtung und zu den implizierten jährlichen Ausschüttungen sind Berechnungen von CryptoSlate, keine direkt vom Unternehmen bestätigten Zahlen.
Worauf man bei dieser Art von Geschichte achten sollte
Bei Treasury-Firmen, die über Vorzugsaktien finanziert werden, ist es entscheidend, das Verhältnis zwischen der wiederkehrenden Dividendenverpflichtung und der Fähigkeit des Unternehmens zu beobachten, diese zu decken (aus Bargeld oder aus anderen Einnahmen), denn die Verpflichtung wächst mit jeder Emission. Weiter lohnt es sich zu beobachten, ob sich der Dividendensatz bei einem variablen Instrument ändert und wie sich der Anteil der Finanzierung aus Vorzugsaktien gegenüber anderen Quellen entwickelt. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung; es sind Kennzahlen, anhand derer sich die Geschichte weiter verfolgen und später überprüfen lässt.

