Was ist genau passiert?
Das Unternehmen Strive, das seine Strategie auf das Anhäufen von Bitcoin aufbaut (eine sogenannte Bitcoin Treasury Company, also ein Unternehmen, das Kryptowährung als wichtigstes Reserveaktivum hält), hat weitere Bitcoin gekauft. Laut dem Portal Cointelegraph erwarb es 1.110 BTC für rund 81,5 Millionen Dollar, was einem Durchschnittspreis von 73.409 Dollar pro Bitcoin entspricht. Damit stiegen seine Gesamtbestände auf 21.356 BTC.
Die an der Nasdaq gehandelten Aktien des Unternehmens (Ticker ASST) stiegen nach der Bekanntgabe laut Cointelegraph um mehr als 11 Prozent.
Warum ist wichtiger, wie der Kauf bezahlt wurde?
Das ist der Kern der ganzen Geschichte und die Stelle, an der Fakten und Eindrücke am häufigsten auseinandergehen. Der Kauf selbst erhöhte die Bitcoin-Bestände von Strive um 5,5 Prozent. Das klingt nach einem deutlichen Sprung. Nur finanzierte Strive ihn laut Decrypt durch die Ausgabe neuer Aktien.
Wenn ein Unternehmen neue Aktien ausgibt, um Vermögenswerte zu kaufen, wächst gleichzeitig sowohl das Volumen dieser Vermögenswerte als auch die Zahl der Aktien, auf die sie verteilt werden. Die entscheidende Kennzahl für den bestehenden Aktionär ist deshalb nicht die Gesamtzahl der Bitcoin, sondern wie viel Bitcoin auf eine voll verwässerte Aktie entfällt (auf Englisch bitcoin per fully diluted share).
Und genau hier liegt der Unterschied: Laut Decrypt stieg dieser Wert nur um rund 1,4 Prozent, also deutlich weniger als die gesamten 5,5 Prozent. Mit anderen Worten, einen Teil des Bitcoin-Zuwachses haben die bestehenden Aktionäre mit ihrer Verwässerung "bezahlt".
| Kennzahl | Veränderung nach dem Kauf |
|---|---|
| Gesamte Bitcoin-Bestände | +5,5 % (Decrypt) |
| Bitcoin pro voll verwässerter Aktie | +1,4 % (Decrypt) |
| Kurs der ASST-Aktie | +11 % (Cointelegraph) |
| Durchschnittlicher Kaufpreis | 73.409 USD/BTC (Cointelegraph) |
| Gesamtbestände | 21.356 BTC (Cointelegraph) |
Ist Strive mit diesem Ansatz allein?
Nein. Das Modell "gib Aktien aus, kauf Krypto" nutzen mehrere Treasury-Unternehmen, und in derselben Woche tauchte ein paralleler Fall auf. Laut CoinDesk kaufte das mit Tom Lee verbundene Unternehmen Bitmine Ether für rund 81 Millionen Dollar, was sein größter Wochenkauf seit Anfang Juli war. The Block berichtet, dass Bitmine 32.447 Ether hinzufügte und sein Gesamtvermögen in Krypto, Bargeld und weiteren Investitionen 14,9 Milliarden Dollar erreicht, wobei es über 4,8 Prozent des umlaufenden Angebots von Ethereum hält.
Tom Lee begleitete den Kauf laut The Block und CoinDesk mit dem Kommentar, dass die Aufwärtsbewegung bei ETH "lange erwartet" gewesen sei und dass ein Wochenwachstum von rund 30 Prozent eine größere Bewegung signalisieren könne. Wir betonen, dass es sich um seine Meinung handelt, nicht um einen überprüften Fakt und auch nicht um eine Empfehlung von charliedesk.
Worauf sollte man bei dieser Art von Nachrichten achten?
Eine Ankündigung über einen "großen Kauf" von einem Treasury-Unternehmen wirkt immer beeindruckend. Nützlich ist es aber, sich drei Fragen zu stellen:
- Woher kommt das Geld? Ein aus dem operativen Gewinn, aus Schulden oder aus der Ausgabe neuer Aktien finanzierter Kauf hat für die Aktionäre sehr unterschiedliche Auswirkungen.
- Wie hat sich der Wert pro Aktie verändert? Der absolute Anstieg der Bestände sagt nichts aus, wenn gleichzeitig die Zahl der Aktien steigt. Achten Sie auf die Kennzahl pro Aktie, nicht nur auf die Gesamtsumme.
- Wo enden die Fakten und beginnt die Meinung? Kaufzahlen lassen sich überprüfen. Aussagen darüber, wohin der Markt "steuert", sind Spekulation, egal wer sie äußert.
Was wir bisher nicht wissen
Die überprüften Quellen nennen weder die genaue Zahl der neu ausgegebenen Strive-Aktien noch das konkrete Datum und die Struktur der Emission. Wir wissen auch nicht, ob und wie lange der 11-prozentige Anstieg der ASST-Aktie anhält, denn die Marktreaktion auf solche Ankündigungen ist meist kurzfristig. Diese Punkte bleiben offen.

