Was ist passiert?
Zwei Dinge auf einmal. Erstens soll laut Berichten, die vom Portal CryptoSlate zitiert werden, am 19. August im Weißen Haus ein Treffen von Präsident Donald Trump mit den Chefs der Regulierungsbehörden SEC und CFTC sowie mit der Führung von Kryptofirmen und Unternehmen, die Prognosemärkte betreiben, stattfinden. Zweitens hat die Investmentfirma Galaxy laut Cointelegraph ihre Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act dieses Jahr zum Gesetz wird, auf lediglich 10 % gesenkt.
Der CLARITY Act ist ein in Vorbereitung befindliches US-Gesetz zur Marktstruktur, das die Aufsicht über Kryptowerte zwischen der Börsenaufsicht (SEC) und der Aufsichtsbehörde für den Handel mit Warenterminkontrakten (CFTC) aufteilen soll und damit klären, wann ein Token ein Wertpapier und wann ein Rohstoff ist. Es ist seit Langem eine der höchsten legislativen Prioritäten der Branche.
Wer soll bei dem Treffen dabei sein?
Laut CryptoSlate wird die Teilnahme der Führung dieser Firmen erwartet:
| Firma / Organisation | Anmerkung |
|---|---|
| Coinbase | Kryptobörse |
| Andreessen Horowitz (a16z) | Venture-Fonds |
| Ripple | Herausgeber von XRP / Zahlungsinfrastruktur |
| Chainlink | Orakel-Netzwerk |
| Kalshi | Prognosemarkt |
| Paradigm | Kryptofonds |
| Digital Chamber | Branchenlobby |
Weiter sollten Vertreter der Börsen Kraken und Gemini sowie der traditionellen Börsen New York Stock Exchange und Nasdaq eingeladen worden sein. Die genaue Liste der bestätigten Teilnehmer und die Agenda des Treffens waren zum Zeitpunkt des Verfassens nicht öffentlich bestätigt.
Warum sieht Galaxy die Chancen nur bei 10 %?
Die Analysten von Galaxy begründeten laut Cointelegraph ihre niedrige Einschätzung mit mehreren ungelösten Punkten:
- Fragen der Ethik (ethics),
- Erträge aus Stablecoins (stablecoin yield),
- Schutz von Entwicklern (developer protection),
- ein enges Zeitfenster im Senat, nachdem die Gesetzgeber im September aus der Pause zurückkehren.
Es handelt sich um die Einschätzung einer einzelnen Firma, nicht um eine offizielle Prognose. Sie charakterisiert eher die aktuelle Stimmung auf dem Capitol Hill als ein endgültiges Ergebnis.
Was sagt das Weiße Haus dazu?
Das Weiße Haus bleibt laut Kryptomagazín entschlossen, das Gesetz noch dieses Jahr durchzusetzen. Der Berater für digitale Vermögenswerte Patrick Witt soll weitere Verhandlungen mit den Demokraten bis zur Abstimmung im September zugesagt und zugleich gewarnt haben, dass der Spielraum für weitere Verzögerungen schnell schwindet. Laut derselben Quelle soll der Senat in dieser Sache Mitte September arbeiten.
CoinDesk fasste in seinem Wochenüberblick den Stand mit den Worten zusammen, dass Washington die größte legislative Hoffnung der Branche "gerade so" am Leben erhalten habe. Daneben erwähnte es Bewegungen am Markt im breiteren Kontext der Woche (unter anderem ein Sicherheitsvorfall, wegen dessen große Mengen Bitcoin verschoben wurden, und eine Transaktion von Mastercard über 1,8 Milliarden Dollar), was aber mit dem CLARITY Act nicht direkt zusammenhängt.
Was ist daraus mitzunehmen?
Wir haben hier eine Spannung zwischen politischem Bemühen (Treffen im Weißen Haus, öffentliche Entschlossenheit der Administration) und einer kühlen Einschätzung des Marktes (Galaxy bei 10 %). Beides kann gleichzeitig gelten: Die Administration kann drängen und die Gesetzgebung kann dennoch im Senat feststecken.
Was man bei dieser Art von Situation beobachten sollte: ob das Treffen am 19. August tatsächlich stattfindet und mit wem, welche konkreten Kompromisse zur Ethik, zu den Erträgen aus Stablecoins und zum Schutz von Entwicklern auftauchen, und wie der Abstimmungskalender des Senats im September aussieht. Das sind überprüfbare Punkte, anhand derer sich sowohl die Einschätzung von Galaxy als auch die Versprechen des Weißen Hauses später kontrollieren lassen.
Charliedesk gibt keinerlei Anlageempfehlungen. Dies ist eine Aufzeichnung dessen, was angekündigt und berichtet wurde, keine Preisprognose für irgendetwas.

