Was ist genau passiert?
Die Analysefirma Galaxy Research hat laut Cointelegraph 1.196 Adressen identifiziert, von denen innerhalb eines 41 Minuten langen Zeitfensters 1.082,65 Bitcoin verschwanden. The Block berichtet, es habe sich um fast 1.200 Adressen und über 1.000 BTC im Wert von etwa 70 Millionen Dollar gehandelt. Beide Zahlen stimmen im Wesentlichen überein und verschieben die Schätzung des Ausmaßes des Vorfalls nach oben.
Die Verluste werden mit einer Schwachstelle der Hardware-Wallet Coldcard in Verbindung gebracht. Eine Hardware-Wallet ist ein Gerät, das einen vorhandenen privaten Schlüssel durch sicheren Speicher, Offline-Signierung von Transaktionen und Verifizierung direkt auf dem Gerät schützen soll.
Worin besteht der Fehler?
Laut CryptoSlate handelt es sich um einen Fehler darin, wie einige Coldcard-Geräte den Seed generieren (die anfängliche Zufallszahl, aus der alle privaten Schlüssel der Wallet abgeleitet werden). Coinkite, der Hersteller von Coldcard, gibt an, dass Guthaben gefährdet sein können, das an Seeds gebunden ist, die auf Firmware 4.0.1 oder einer späteren Version für das Modell Mk3 generiert wurden.
CryptoSlate zitiert einen Bitcoin-Core-Beitragenden, der unter dem Namen instagibbs auftritt und angab, es sei ihm gelungen, einen verwundbaren Seed auf einem frisch initialisierten Mk3-Gerät erneut zu erzeugen. Das ist der Kern des Problems: Wenn ein Seed reproduziert werden kann, kann ein Angreifer dieselben privaten Schlüssel ableiten.
Laut Coinkite sind auch die Geräte Mk4 und Mk5 betroffen, und zwar vor der Firmware 5.6.0, sowie die Modelle Q vor der Version 1.5.0Q. Bei diesen Geräten beschreibt die Firma die Auswirkungen laut CryptoSlate als weniger schwerwiegend, aber dennoch ernst.
Wie viel davon ist belegt?
Es ist bestätigt, dass Galaxy Research konkrete Zahlen veröffentlicht hat (Anzahl der Adressen und BTC-Volumen). Bestätigt ist auch, dass Coinkite die betroffenen Firmware-Versionen beschrieben hat und eine formelle technische Analyse der Grundursache plant.
Was bislang nicht klar ist: der genaue Mechanismus, wie die Angreifer die Schlüssel bei allen betroffenen Adressen erlangt haben, ob hinter dem Abfluss ein einzelner Akteur oder mehrere unabhängige Beteiligte stehen, und ob die endgültige Zahl von 70 Millionen Dollar weiter steigen oder sich stabilisieren wird. Die formelle Ursachenanalyse steht laut CryptoSlate noch aus.
Zeitachse und Zahlen
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Betroffene Adressen | 1.196 (Galaxy), fast 1.200 (The Block) | Cointelegraph, The Block |
| Abgeflossene BTC | 1.082,65 BTC | Cointelegraph |
| Abflusszeitfenster | 41 Minuten | Cointelegraph |
| Wertschätzung | etwa 70 Millionen USD | The Block |
| Betroffene Firmware Mk3 | 4.0.1 und später | CryptoSlate |
| Betroffene Firmware Mk4/Mk5 | vor 5.6.0 | CryptoSlate |
| Betroffene Firmware Q | vor 1.5.0Q | CryptoSlate |
Was hat CZ dazu gesagt?
Binance-Gründer Changpeng Zhao (CZ) wies laut CoinDesk nach dem Vorfall darauf hin, dass auch Hardware-Wallets Fehler enthalten können, und sprach sich dafür aus, Guthaben auf mehrere Wallets zu verteilen. Charliedesk gibt keine Anlage- oder Sicherheitsberatung; wir führen dies als Aussage einer konkreten Person an, nicht als Empfehlung.
Worauf man bei diesem Ereignistyp achten sollte
Bei Vorfällen im Zusammenhang mit der Schlüsselgenerierung ist es entscheidend, zwei Dinge zu trennen: das bestätigte Ausmaß (wie viel Guthaben nachweislich verschwunden ist und von wie vielen Adressen) und die Hypothese über die Ursache (wie genau es dazu kam). Derzeit ist das Ausmaß laut Galaxy Research fest belegt, während Coinkite die vollständige technische Erklärung erst verspricht. Charliedesk wird verfolgen, ob sich die Schätzung von 70 Millionen Dollar nach Veröffentlichung der formellen Analyse ändert.

